Gefahr für den Wald: Illegale Trails

Sven Glück und Reinhart Zech (oben rechts). Foto: Ria Garcia

Nicht nur Borkenkäfer und unterschiedliche Pilzarten bedrohen den Wald. Mangels legaler Strecken in direkter Umgebung sind es immer öfter Mountainbiker, die Schäden im Wald verursachen.

Reinhart Zech ist einer der Waldbesitzer im Kreis Mettmann und Düsseldorf. Immer öfter trifft er auf seinen Waldflächen Mountainbiker an, die abseits der Wege quer durch den Wald unterwegs sind und nicht nur das: Inzwischen haben sich die Outdoor-Sportbegeisterten in einem seiner Wälder einen sogenannten Trail gebaut. Eine Erlaubnis dazu hatten sie nicht. „Die Beseitigung wird bis zu 80 Arbeitsstunden beanspruchen“, beschreibt er den nötigen Aufwand, die Strecke wieder zu beseitigen. Der Trail hat im oberen Bereich einige Schanzen, die mit Baustämmen und Waldboden aufgefüllt wurden. Damit alles einiger Maßen Stand hält, haben die Biker die dünnen Stämme mit Nägeln und Halterungen verbunden. Mittig haben sie am Hang offensichtlich einen Chill-Bereich mit Sitzgelegenheit einplant. Entlang der Strecke finden sich einige abgebrochene Spaten. All das muss zum Abtransport den steilen Hang hinunter oder hinauf transportiert werden. Wir haben die Strecke mit Reinhart Zech und Sven Glück, der den Forstbezirk Neanderthal leitet, zu dem auch dieser Wald gehört, besichtigt. Während der Waldbesitzer und Sven Glück behände den steilen Hang hinauf stiegen, kamen wir trotz flachem und festem Schuhwerk nicht nur immer wieder ins Rutschen, sondern auch noch aus der Puste. Mountainbikern kann es offensichtlich nicht steil genug sein.

Impressionen des Trails

Gibt es denn keine legalen Mountainbike-Trails?

Es gibt natürlich auch legale Mountainbike-Trails, aber sie sind rar. „Der größte Knackpunkt für legalisierte Strecken ist die Haftungsfrage“, erklärt uns Sven Glück. Verunglückt ein Mountainbiker, könnte es also sein, dass der Waldbesitzer haftbar gemacht wird. Zwar gelte für Spaziergänger beim Betreten des Waldes ‚Nutzung auf eigene Gefahr‘, das lasse sich aber nicht auf eine geduldete Mountainbikestrecke übertragen. Der Waldbesitzer, müsste also eine Versicherung abschließen. Da legalisierte Trails in der Regel kostenfrei nutzbar sind und die Bewirtschaftung der Wälder durch das zunehmende Waldsterben so gut wie keine Gewinne mehr abwirft, ist das privat nicht umsetzbar. „Dieses Stück Wald ist nicht sehr groß und bei einer etwa 100 Meter langen Strecke kann man sich ausmalen, dass sie schnell zu klein wäre. Die Gefahr, dass Ausweichstrecken rechts und links des Trails genutzt werden, ist da und dann wäre der Wald hier bald wie eine Krake von kleinen Trails durchzogen“, mutmaßt Waldbesitzer Reinhart Zech nicht unbegründet. Das Stückchen Wald liegt an der Stadtgrenze von Erkrath und Düsseldorf-Unterbach und ist nicht das einzige Waldgebiet im Besitz von Reinhart Zech, in dem kleine illegale Trails gebaut wurden.

Mountainbike-Fahren ist Trendsport und in verschiedenen Blogs im Netz und auf Youtube findet man Berichte und Videos über Strecken und ‚rasante Abfahrten‘. Tipps zu Trails erhalten Mountain-Biker über Insider-Websites, wie etwa Trailforks.com und dort finden sich eben auch nicht nur die legalen Routen.

Zwischen verständlichen Interessen und dem Leid des Waldes

Dass Mountainbiker reizvolle Strecken suchen, auf denen sie ihrem Hobby nachgehen können, ist nachvollziehbar. In unserer dicht besiedelten Region, in der die Waldflächen zum einen durch Schädlinge und Trockenheit bedroht sind und zum anderen viele Menschen den Wald als Naherholungsgebiet nutzen möchten, ist es schwer allen Interessen gerecht zu werden. Es sind nicht nur die Mountain-Biker, die Flora und Fauna im Wald stören. Aber die illegalen Trails verdichten an vielen Stellen den Waldboden und stören das ökologischen Gleichgewicht.

„Der Wald muss drei Funktionen erfüllen. Zum einen die biologische für die Natur, dann die Bewirtschaftung für den Rohstoff Holz und die soziale Funktion für den Menschen“, erklärt Reinhart Zech. Da wird es verständlicher Weise schon einmal eng im Rheinland und dass Jogger, die in der dunkleren Jahreszeit nach der Arbeit mit einer Neonleuchte am Kopf über Waldwege joggen, dabei vielleicht die Nacht-aktiven Tiere im Wald stören, kann man sich vorstellen. Auch ganze Scharen von Spaziergänger in der Brut- und Setzzeit, von denen einige die vorgesehen Wege verlassen oder ihre Hunde ohne Leine laufen lassen, tragen nicht zum harmonischen Miteinander zwischen Natur und Mensch bei. „90 Prozent der Spaziergänger und Radfahrer oder Mountainbiker verhalten sich richtig, aber die zehn Prozent, die alle Regeln missachten, gefährden den Wald“, betont Zech. Hobby-Drohnenpiloten tragen ihren Teil dazu bei. So hat Zech erst vor kurzem einige am Waldrand getroffen. „Die Hasen drehen durch, wenn sie so eine Drohne über sich sehen. Die denken, es seien Greifvögel“, beschreibt Zech die Auswirkungen auf die Tierwelt.

Wie sehr der Wald allein schon durch Schädlinge und Trockenheit leidet, hatten wir erst vor kurzem am Beispiel des Auenwaldes am Thekhauser Bach beschrieben.

Legale Trails schaffen

Welche Lösungen gibt es denn nun für die Mountainbiker? Es gibt natürlich auch legale Trails, wie etwa den Klingentrail in Solingen. Der ist aktuell, wenn man auf die Homepage schaut, gesperrt. Ob Baumfällungen oder andere Gründe vorliegen, konnten wir kurzfristig nicht klären. Auf der Facebookseite des Vereins, der Pate des Trails ist, fand sich keine Nachricht dazu. Gerade für jugendliche Mountainbiker sind die legalen Strecken aber oft zu weit entfernt. Ob es möglich ist, auch hier bei uns eine legale Strecke einzurichten, können wahrscheinlich nur der Kreis und die Gemeinden auf eigenen Waldgebieten prüfen. Einem privaten Waldbesitzer lässt sich das kaum aufbürden. Vielleicht würde es ins Tourismuskonzept des Kreises passen? Letztendlich bräuchte es dafür sicher einige beherzte Mountainbiker, einen Verein, der Pflege und Versicherung übernimmt und die richtigen Ansprechpartner in den Gemeinden oder einen Ansprechpartner im Kreis Mettmann. Dann könnte es auch bei uns im neanderland vielleicht mit einer legalen Mountainbike-Strecke klappen und Waldbesitzer, wie Reinhart Zech, stünden nicht mehr vor der Herausforderung illegale Strecken auf eigene Kosten beseitigen zu müssen, um nicht am Ende haftbar zu werden.

Im Netz finden sich Anleitungen zum Bau von Trails und auch Fallbeispiele zur Legalisierung einer Strecke. In Zeiten, in denen der Klimawandel nicht mehr weit entfernt ist, sondern in seinen Auswirkungen – auch in Bezug auf das Waldsterben – längst bei uns allen angekommen ist, gilt es mehr denn je ein Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur zu finden. Illegale Mountainbike-Strecken tragen nichts zu diesem Gleichgewicht bei.

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