Freundschaft in Buchform

Hans Bones und Uli Schimschock (v.l.) haben sich mit dem Buch "Neanderthaler Bahngeschichten" ein persönliches Erinnerungswerk geschaffen Foto:tb

Die schönsten Geschichten schreibt das Leben selbst. So auch im Leben von Hans Bones und Uli Schimschock, die seit Jahren durch eine gemeinsame Leidenschaft miteinander verbunden sind: Die Liebe zur Eisenbahn. Während Uli Schimschock seine Passion zum Beruf werden ließ, bewunderte Freund und mittlerweile pensionierter Lehrer Hans Bones die Eisenkolosse gerne durch seine Kamera hindurch.

Und so kam vor Jahren zusammen, was zusammen gehört. „Wir haben uns 1998, kurz vor der Eröffnung des Museums am Lokschuppen in Hochdahl, kennengelernt“, erinnert sich Uli Schimschock. Seitdem fachsimpeln die beiden Herren gerne über die „gute alte Dampflock“, die zahlreiche Fotografien der Vergangenheit zieren. Gemeinsam entstand der Gedanke, die Geschichten der vergangenen Jahrzehnte in Buchform zusammenzufassen. „Die Idee dazu kam uns im letzten Herbst. Eigentlich wollten wir das Buch schon am 15. September 2019 veröffentlichen- anlässlich des 140. Jubiläums der Rheinischen Strecke“, erinnert sich Uli Schimschock. Dass es leider nicht zum geplanten Zeitpunkt geklappt hat, stört aktuell niemanden mehr. „Dafür verkaufen wir das Buch erstmalig anlässlich unseres Weihnachtsmarktes“, so Dr. Ralf Fellenberg, der als erster Vorsitzender des Eisenbahn- und Heimatmuseum Erkrath- Hochdahl das Lektorat übernahm und von den Geschichten der Autoren sichtlich mitgerissen wurde. „Eigentlich liest man im Buch die ganze Lebensgeschichte von Uli Schimschock, ebenso wie einen großen Teil der Lebensgeschichte von Hans Bones“, ist sich Fellenberg sicher.

Bereits das Vorwort versprüht Vorfreude auf die folgenden 75 Seiten. Von den Erinnerungen der sogenannten „Pufferküsser“- wie Eisenbahnfans in der Blütezeit des Dampflokbetriebs genannt wurden- erzählt der Bucheinstieg, der ebenfalls von Dr. Ralf Fellenberg verfasst wurde. Und für Eingeweihte wird schnell deutlich, dass hinter den Erzählungen auch ein Stück weit Vereinsgeschichte steckt. „Denn die Rauchkammertür auf dem Foto des Vorwortes steht heute in unserem Museum“, so Hans Bones, der das „gute Stück“ 1977 vor dem Schrottplatz rettete. „110 DM habe ich damals dafür bezahlt und die Tür bis vor vier Jahren in meinem Hobbykeller aufbewahrt.“ Rund eine halbe Tonne wiegt die Tür, ein wahres Schwergewicht also.

Diese und weitere Geschichten liest man zwischen und auch in den Zeilen des Buches, welches sich thematisch an der Rheinischen Strecke entlanghangelt. Und obwohl die Steckengeschichte selbst hoch komplex ist, verschmilzt die fachliche Komponente mit den persönlichen Erinnerungen der beiden Autoren, die sich in ihren eigenen Kapiteln mit der Vergangenheit auseinander gesetzt haben. So schreibt Schimschock, dass ihn schon morgens um fünf Uhr der „dampfende Wecker“ in Form von Güterzügen geweckt hat. Als Sohn einer ohnehin autolosen Familie lag die Liebe zur Bahn in den Genen. Und obwohl trotz aller Leidenschaft die Lehre nur mit einem „befriedigend“ im August 1974 abgeschlossen wurde, konnte diese Note den Wissensdurst des noch immer aktiven Fahrdienstleiters nicht zügeln.

Ebenso malerisch gibt Hans Bones seine Erinnerungen wieder. Wie er beispielsweise in den letzten Tagen des Jahres 1968- bei beginnendem Schneefall- zwischen Wald und Wiesen am Gut Papendelle steht und auf „seinen Zug“ wartet. Nur wenige Tage zuvor- er lebt erst seit gut einem Jahr in Erkrath- ist ihm der dampflokbetriebene Güterzug bei einer Fahrt über die Autobahnbrücke aufgefallen. Mit Spannung wird die Ankunft des Zuges erwartet und unverzüglich der Auslöser am Fotoapparat gedrückt. So ging es Hans Bones öfter. Selbst seine Frau Roswitha, die im Buch immer wieder durch liebevoll sarkastische Kommentare zu Wort kommt, teilt die Leidenschaft ihres Mannes unweigerlich. 

Bei genauerer Betrachtung der Bilder, die ebenfalls zu großen Teilen von den Autoren selbst stammen, kommen immer wieder bekannte Gesichter zum Vorschein. „Was auch daran liegen könnte, dass wir manchmal an denselben Orten waren und von unterschiedlichen Positionen fotografiert haben. Da hatte man sich auch mal gegenseitig auf einem Foto festgehalten. Das ist uns aber erst später aufgefallen“, geben die Herren, noch immer lachend über diese Vorfälle, wieder.

Die beiden Autoren sind sich sicher, das Buch füllt eine Lücke in der Eisenbahnliteratur. „Man hat sich noch nicht oft mit der Rheinischen Strecke beschäftigt“, so Uli Schimschock. Und doch ist es kein Werk für klassische Technikfans. Vielleicht eher für die Romantiker unter den Eisenbahnfreunden. „Und jene, die den lokalen Bezug suchen“, sind sich die Autoren sicher.

Verkauft wird es- wie bereits erwähnt- erstmalig auf dem Weihnachtsmarkt am Lokschuppen. 27 Euro wird das Werk kosten und ist unter der ISBN 978-3-00-063838-1 auch auf der Internetseite des Vereins (www.lokschuppen-hochdahl.de) erhältlich.

Wissenswertes: Die Gestaltung des DinA4 großen Buches übernahm zum wiederholten Mal die Grafikerin Sonnia Menke. Weitere Werke des Vereins sind beispielsweise „Die Reise und Arbeitswelt der 70er Jahre“ von Armin Gärtner und das Hauptbuch „Die Steilstrecke Erkrath- Hochdahl“.


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