FFF-Ortsgruppe begeht ersten Geburtstag

Foto: Susann Krüll

Am vergangenen Samstag hatte der Erkrather Ortsverein der „Fridays For Future“-Bewegung zur Feier ihres einjährigen Bestehens eingeladen.

Zwar litten die Aktive und Zuschauer unter den Temperaturen bis zu fast 40 Grad.  Zugleich konnte nicht besser demonstriert werden, warum die jungen Leute seit Monaten – nur gebremst durch den Corona-Shutdown – ihren Einsatz für den Schutz von Klima, Umwelt und Natur auf die Straße tragen. So hatten die Erkrather Mitglieder für ihre Jahresfeier auch „Mahnwache“ als Titel der Aktion gewählt, die symbolisch um fünf vor Zwölf mittags begann.  

Rahel Bott, Mitbegründerin und eine der Sprecherinnen der Gruppe hielt vor leider nicht allzu vielen Zuhörern eine aufrüttelnde Rede, in der auch die Erkrather Verwaltung ihren Teil, berechtigte Kritik abbekam. „Seit einem Jahr engagieren wir uns. Was ist seitdem passiert? Die Verwaltung hat im Verlauf dieses Jahres eine Bürgerbefragung zu Klima- und Umweltthemen durchgeführt und die vielen Anregungen und Vorschläge aus der Bürgerschaft mit dem Versprechen eingesammelt, diese zu sichten und weiter zu verfolgen. Was ist seitdem geschehen? Kein Vorschlag ist weiterverfolgt worden“, kritisierte sie unter dem Beifall der Umstehenden.

Auch die Brandrodung am Amazonas, der bisher eine Fläche von 4,2 Millionen Fußballfeldern zum Opfer gefallen sei oder die verheerenden Brände in Australien, die eine Fläche von 4,6 Milliarden Fußballfeldern vernichteten, prangerte sie in ihrer Rede an, die sie mit einer persönlichen Ankündigung schloss: „Da ich seit kurzem Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen bin und für sie bei der Kommunalwahl antrete, lege ich meine Ämter bei unserem Ortverein nieder. Ich möchte durch mein persönliches Engagement für eine Partei nicht die generelle Überparteilichkeit der FFF -Bewegung korrumpieren“, so die Abiturientin, die seit Anfang August ein Freiwilliges Soziales Jahr beim CVJM in Düsseldorf absolviert.

Vertreter der Parteien beglückwünschten die jungen Aktivisten

Der Einladung zu ihrem einjährigen Bestehen waren bis auf SPD, FDP und AfD die übrigen Parteien des Erkrather Rates gefolgt. Bernhard Osterwind von der BmU, Bürgermeister-Kandidat Peter Knitsch von Bündnis 90/Die Grünen und seine Parteikollegin Sabine Börner und Daniela Lajios, die Platz 1 der Liste von Die Linke innehat, sprachen in ihren Grußworten den jungen Leuten Respekt und Dank für ihren Einsatz aus und ermunterten sie zum Weitermachen. Später gesellte sich auch noch Vorsitzende der Erkather CDU, Dr. Christian Untrieser, zu den Aktiven und ihren Sympathisanten. Er suchte den direkten Dialog mit den Mitgliedern der Ortsgruppe: „Ich finde es toll, dass die FFF-Aktiven ihre Forderungen auf die Straße bringen. Ich bin bei mehreren Demos vor dem Düsseldorfer Landtag dabei gewesen. Wichtig finde ich, dass man miteinander in den Dialog tritt und bereit ist, dem Gegenüber zuzuhören und auch Argumente aufzunehmen, wenn sie überzeugend und richtig sind“, so Untrieser, der als CDU-Abgeordneter im Landtag sitzt.

Die Großeltern-Generation bestärkt die Enkel-Generation in ihren Forderungen

Großen Rückhalt erhielten die zumeist jugendlichen FFF-Mitglieder der Erkrather Gruppe durch die „Großeltern-Generation“. Zur Mahnwache waren neben den „Omas gegen Rechts“, bei denen natürlich auch Opas und alle anderen willkommen sind, mit Sonnenhüten und ausreichend Wasser erschienen, um den heißen Temperaturen zu trotzen. Dorit Meyer und ihr Ehemann sind bei der Hochdahler Gruppe gemeinsam aktiv mit Ina Schweder und Christina Greven-Bierkämper, die erst vorkurzem in den „Unruhestand“ getreten ist. Wie nicht anders zu erwarten, geht die couragierte Rechtsanwältin nun ihrem ehrenamtlichen Engagement ebenso nach. Auch die „Grannies gegen Rechts“ waren durch Norbert Gross vertreten. Er hatte neben einem selbst gemalten Schild mit der Aufschrift „Lasst Eure Enkel nicht im Stich“ auch einen Bonsai dabei. „Diese Miniatur-Bäumchen, die ein sagenhaftes Alter erreichen können, stehen für mich sinnbildlich für die Forderung nach dem Schutz unserer Umwelt. Wir haben nur eine Erde, die wir unseren Nachfahren als lebenswert und bewohnbar hinterlassen müssen“, so der engagierte Rentner.

Spontan ließ sich eine weitere Vertreterin der Großeltern-Generation auf die Rednerliste setzen. Cäcilia Haverkamp, die mit Uli, gekommen war und die gemeinsam die beiden „SenTa“-Einrichtungen für Senioren betreiben. „Bei Eurer ersten Veranstaltung, dem Demo-Zug durch Erkrath am Nikolaus-Tag sind wir mit unseren Gästen noch mitgegangen. Aus nachvollziehbaren Gründen sind Uli und ich heute allein da. Aber wir möchten Euch im Namen von uns allen zu Eurem einjährigen Geburtstag gratulieren und Euch für Eurer Engagement bedanken. Unsere Gäste und auch wir möchten Euch sagen: Es hat sich für uns gelohnt zu leben, denn mit Euch geht es weiter.“  

Auch andere Bürgergruppen fanden auf der Bühne Gehör

Auch Vertreter verschiedener anderen Bürgerbewegungen konnten das Mikro nutzen, um ihr Anliegen zu Gehör zu bringen. So Alexander Schultz, der als Ratskandidat für die Grünen und Vorstandsmitglied BUND Erkrath vor Ort war, um Unterschriften zum Schutz der heimischen Insekten und für die Volksinitiative Artenvielfalt zu sammeln, deren Listen an einem Info-Tisch am Haus der Kirchen auslagen.

Für die musikalische Untermalung sorgten „Etienne Eben & Band“. Ihnen wie vor allem den Veranstaltern, der Ortsgruppe von „Fridays For Future“ hätte man mehr Zuhörer gewünscht. Aber die waren bei den tropischen Temperaturen vielleicht eher ins Neanderbad oder den Unterbachersee gefahren an diesem heißen Samstagnachmittag. Verdient hätten es die jungen Aktivisten.


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