Existenzängste auf der Puppenbühne

Familie Tränklers gastiert derzeit in Hochdahl Foto: Timo Kremerius

Eigentlich wollte ich mir in Josef Tränklers Puppenbühne am 15 März 2020 „Kasper und der kleine Drache“ auf der Wiese hinter dem Bürgerhaus ansehen und einen entspannten Nachmittag genießen.

Aber wie man momentan befürchten musste, kommt es anders als man glaubt. Covid 19 hat die Menschen in Beschlag genommen. Am Sonntagmorgen rief Josef Tränkler bei mir an, um mitzuteilen, dass er die restlichen Vorstellungen in Hochdahl abgesagt hat. Sicherlich sind Josef Tränkler- und nicht nur er, sondern auch seine Frau Jennifer- Vollblutprofis, aber es ist sicherlich nicht erbauend vor elf und acht Zuschauern zu spielen, wie es in den letzten zwei Vorstellungen der Fall war.

Da zu erwarten war, dass es am vergangenen Sonntag auch nicht mehr Zuschauer werden und die Prognose für die kommende Woche keinen Silberstreif am Horizont verspricht, haben die Tränklers verständlicherweise mit dem größten Bedauern auf weitere Vorstellungen verzichtet.

So hatten wir Zeit ein wenig über die Entstehung des Puppentheaters zu sprechen. Die Tränklers stammen aus einer großen alten Zirkusfamilie, die unter anderem auch dem Theater zugewandt waren und sind. 2013 haben sich Josef und Jennifer Tränkler dem Puppenspiel verschrieben und beschlossen ein Puppentheater zu gründen. So wie ich die Beiden kennengelernt habe, ist ihnen das auf den Leib geschneidert. Etwas anderes könnte ich mir bei den Beiden auch gar nicht vorstellen. Zwei liebenswürdige Menschen, die nicht nur aus Leidenschaft mit den Puppen spielen, sondern sich auf die Fahne geschrieben haben, Alt und Jung zu erfreuen. Mit Shirley und Tayler gehören auch zwei bezaubernde Kinder zur Familie.

Nun ist es im fahrenden Gewerbe so, dass man nicht nach einem Jahr Arbeit sein Auskommen für den Rest des Lebens verdient hat, sondern es ist ein täglicher Kampf um die Zuschauer. Im Moment durchleben sie mal wieder eine sehr heikle Situation. Die Zuschauer bleiben aus, die anfallenden Kosten werden nicht weniger und die Zukunftsperspektive sieht im Moment sehr düster aus.

Josef Tränklers Puppentheater ist ein Zweimann-Unternehmen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten, arbeitet Tochter Shirley auch schon sehr fleißig mit und unterstützt ihre Eltern wo sie kann. Sohn Tayler ist noch sehr klein. Er spielt lieber mit dem Bluthund. Der Hund ist etwas kleiner als ein Pekinese.

Alles was man auf der Wiese beim TSV Hochdahl sieht, muss auch bewegt werden. Das heißt, der Fuhrpark, das Zelt und alles, was man benötigt, muss zum Veranstaltungsort gebracht und aufgebaut werden. Das Veranstaltungszelt muss bestuhlt und für die Zuschauer veranstaltungstauglich gemacht werden. Eine unvorstellbare Arbeit, bei der der ein oder andere schon allein vom Zuhören passen würde. Und das bei 30 – 40 wechselnden Standorten im Jahr. Diese Familie brauch nicht mehr in die Muckibude. Nun kommt zu der täglichen körperlichen und schauspielerischen Arbeit auch noch die Existenzangst, keine Zuschauer, kein Geld. Eine Branche, wo es ins Gewicht fällt, wenn man 2 Monate nicht spielen kann.

Josef Tränkler stellte bezüglich des Publikums auch fest, dass zu seinen Veranstaltungen nur noch die jüngeren Kinder mit ihren Großeltern kämen. Schulkinder würden seine Veranstaltungen nur noch sehr selten besuchen, obwohl es auch schöne Vorführungen für ältere Kinder gibt. Es macht ihn manchmal nachdenklich, wenn das Handy, im Gegensatz zu vielen Dingen des Lebens, bevorzugt wird. Dass Eltern, nicht nur im Puppentheater, abseits sitzen und mit ihrem Handy beschäftigt sind und gar nicht mitbekommen, dass ihr  Kind sich freut, mitfiebert und natürlich auch hinterher darüber sprechen möchte. Das fühlt sich an wie abliefern, aber nicht teilhaben, miteinander erleben. Umso schöner ist es, wenn die Kinder gespannt mitfiebern, mitlachen und mit strahlenden Gesichtern das Theaterzelt verlassen.

Im Moment wissen die Tränklers nicht wie es weiter geht. So wie es aussieht wird der Spielbetrieb für die nächste Zeit ausgesetzt. Ich kann nur von ganzem Herzen hoffen, dass dieses Unternehmen, welches seit dem es besteht, viele Menschen, ob Jung oder Alt, erfreut und zum lachen gebracht hat, nicht der Covid 19 Krise zum Opfer fällt. Es wäre ein großer Verlust, es gibt nur noch sehr wenige Puppentheater.

Wir haben schwierige Zeiten und viele fürchten um ihre Existenz. Sollte aber jemand den Wunsch oder eine Idee haben, wie man den Tränklers und dem Puppentheater helfen kann, so rufen sie Josef doch mal an. Tel.-Nr. 0163-2559637


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