Erkrath ist ein Vorbild

Ein leerer Wendehammer Foto: Timo Kremerius

Bürgerreporter Timo Kremerius hat seinen eigenen “Corona-Artikel” verfasst und lässt uns an seinen Gedanken teilhaben:

Hörte man in der ersten Quarantänewoche bis hin zur Wochenmitte lautes Kinderlachen und Großmütter, die im Wendehammer ab und zu mit leisen Anweisungen eingriffen, so herrscht spätestens nach drei Wochen am Wochenende lähmende, gespenstige Stille. Lediglich in den Gärten hört man hier und da noch Kindergeschrei oder -lachen. Die Parkplätze sind alle besetzt. Ein Hinweis darauf, dass viele berufstätige Menschen- wenn sie die Möglichkeit haben- von zu Hause aus arbeiten. Das gesellschaftliche Leben ist momentan auf Minimalstufe heruntergefahren.

Das letzte Mal, dass die Bürger solche Erfahrungswerte machten, war anlässlich der Ölkrise 1973.

Manch ein Bürger kennt dieses Gefühl des “gebunden sein” höchsten aus seiner frühen Jugend, wenn er Haus- oder Stubenarrest hatte. Zwar nicht in dieser bedrohlichen Dimension, aber doch irgendwie schon vergleichbar.

Nun haben wir 2020, Anfang April, und es herrscht Kontaktverbot. Im Gegensatz zu Stuben- oder Hausarrest sind die Betroffenen- bundesweit- für diesen Zustand originär nicht verantwortlich. In diesem Fall ist der Eine oder Andere- im schlimmsten Fall- erkrankt. Die Entscheidung der Bundes- oder Landesregierung oder der kommunalen Behörden zu diesen Maßnahmen ist der absolut richtige Weg, um noch mehr Schaden vom Bürger fernzuhalten und es bleibt zu hoffen, dass das Ende der Quarantäne mit Weitsicht in Angriff genommen wird.

Ein wichtiges Wort, welches in den siebziger Jahren von den damaligen Bewegungen und im Sommer 1980 von der Gewerkschaft Solidarność geprägt wurde, ist das Wort Solidarität, welches von vielen Politikern in den heutigen Tagen sehr häufig gebraucht und von Kriminellen (Internet-Kriminalität) missbraucht wird. Zum Leidwesen derjenigen, die Unterstützung benötigen, da diese Hilfe zur Zeit von der Landesregierung NRW gestoppt wurde.

Allein das Einkaufsverhalten einiger Bürger lässt daran zweifeln, dass sie überhaupt mit der Situation sachlich und zielführend umgehen können. Sicherlich wird das Verhalten auch von einer gehörigen Portion Angst geprägt.

Nachdem in Frankreich leider ein 16-jähriges Mädchen, ohne Vorerkrankungen, an CORONA gestorben ist, bleibt auch zu hoffen, dass bei den Jugendlichen ein Umdenken stattfindet und sie zur Einsicht kommen.

Um den Begriff Solidarität noch einmal zu bemühen: Die Bürger sollten auch solchen Unternehmen, die sich unsolidarisch verhalten, die rote Karte zeigen und sie auf ihren Waren sitzen lassen. Sie sollten solchen Unternehmen zeigen, dass die Bürger solche Halsabschneider, die aus der Not Gewinn ziehen wollen, nicht brauchen. Viele Kleinunternehmen, Händler, Selbständige und Künstler wissen nicht, wie sie ihre Firmen, ihre Arbeit, ihr Lebenswerk aufrechterhalten sollen. Unsere Aufgabe sollte es sein, diese nach den aktuellen Lebenseinschränkungen zu unterstützen.

Erkrath ist ein Vorbild

Und nun zu den positiven Dingen, besonders in Erkrath. Hier ist Erkrath eine Vorzeigestadt und vorbildlich. In Erkrath wurde neben vielen ehrenamtlichen Aktivitäten eine Nachbarschaftshilfe gegründet, die mit der Stadt Erkrath eng zusammenarbeitet und sich aus vielen sozialen und kirchlichen Vereinen gegründet hat.

Es werden im sozialen Bereich Einkäufe für Menschen, die dazu nicht mehr in der Lage sind, generiert. Es werden im seelsorgerischen Bereich Telefongespräche mit einsamen Menschen geführt. Auch der Betrieb der Tafel wurde im Rahmen der Nachbarschaftshilfe wieder aufgenommen. Der Einzelhandel liefert kostenlos Lebens- und Bedarfsmittel aus. Unsere Buchhändlerin ist sehr hilfsbereit und liefert Bücher auch persönlich aus. Die Apotheken produzieren in eigener Regie Hygiene- und Desinfektionsmittel und zwar zu erschwinglichen Preisen.

Zur Unterhaltung wurden die Bürger am Freitag aufgefordert ein Lied für Erkrath ins Netz einzustellen und am Samstag fuhr ein Musiktruck zur Überraschung der Personen, die sich ein Lied gewünscht hatten und welches dann gespielt wurde, an dessen Häuser vorbei. So wurde zum Beispiel „Du bist nicht allein“ von Roy Black vor dem Seniorenheim Haus Bavier gespielt. Am vergangenen Samstag fand diese Aktion 2.0 statt.

Erkrath ist eine tolle Stadt mit sehr viel Solidarność, in der es sich lohnt zu wohnen. Mit diesem Engagement sollte sie es schaffen, die wenigen Unentschlossenen mit ins Boot zu nehmen und sie davon zu überzeugen, dass man Probleme jeglicher Art und auch so schwierige Situationen wie die jetzige, nur gemeinsam mit unabdingbarem Zusammenhalt bewerkstelligen kann.

Gehen sie mit genügend Abstand spazieren, dann lernen sie unser schönes Erkrath auch näher kennen.

Erleben sie bewusst die Schönheit der Stadt- hier eine Magnolie
Foto: Timo Kremerius

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