Einmal Puppentheater ist nicht genug

von Timo Kremerius

Kasper als Gretels Retter. Foto: Timo Kremerius

Josef Tränklers Puppenbühne verabschiedete sich nach über zwei Wochen mit dem Stück ‚Kasper warnt! Gehe nie mit Fremden mit‘ vom Erkrather und Unterbacher Publikum.

Anders als nach den Wettervorhersagen erwartet, lud am vergangenen Sonntag strahlender Sonnenschein zum Besuch des Puppentheaters ein. Ein schöner Abschied für die Tränklers, die hoffentlich bald wieder nach Erkrath oder Unterbach zurückkehren, um das große und kleine Publikum zu erfreuen. Die Vorstellung war sehr gut besucht und an diesem Sonntag waren es nicht nur die Kleinen mit Eltern und Großeltern.

In den Zuschauerreihen hatten auch Menschen mit geistiger Behinderung und an Demenz Erkrankte Platz genommen, die während des Stücks den Kasper anfeuerten und unterstützten. Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis sind in der Demenz leichter Abrufbar, als Erinnerungen des Kurzzeitgedächtnisses und so waren ‚die großen Besucher‘ in kindlicher Freude ganz beim Kasper. Sie tauchten intensiv in ihre Erinnerungen und in die Handlung des Stücks ein, das Josef Tränkler lange Zeit nicht aufgeführt hatte. In der Vergangenheit hatte man ihn auf den Titel ‚Kasper warnt! Gehe nie mit Fremden mit‘ angesprochen. „Ich wollte nicht in den Verdacht geraten, ich sei fremdenfeindlich“, erklärt er. Das diese Auslegung des Titels unsinnig ist, versteht sich in einer Zeit, in der immer wieder aufgedeckt wird, wie häufig das Kindeswohl gefährdet ist, von selbst. Und so hat Josef Tränkler sich entschlossen das Stück wieder ins Programm zu nehmen. Auf spielerische Art vermittelt er darin, mit Hilfe vom Kasperle, die Gefahren, die von Fremden (unbekannten Menschen) ausgehen können. Wenn wir uns an die eigene Kindheit erinnern, war es schon immer die Aufgabe vom Kasperle solche Botschaften zu vermitteln.

Am vergangenen Sonntag begleitete das Publikum dann Kasper, Gretel und Seppel, die mit der Großmutter zum Spielplatz wollen. Geschickt in die Handlung integriert sind einige Verkehrsverhaltensübungen, wie der Hinweis die Straße nur am Zebrastreifen oder an der Ampel zu überqueren. Später kommt der Moment, der dem Stück den Titel gab: Gretel ist allein und wird von einem Unbekannten angesprochen. Sie vertraut ihm und geht dann sogar mit ihm mit. Als die Großmutter Gretels Verschwinden bemerkt, alarmiert sie sofort die Polizei. Auch Kasper macht sich große Sorgen, will aber nicht auf die Polizei warten. Mit Hilfe des Publikums macht er sich auf die Suche nach Gretel.

Die kleinen, aber auch einige der großen Zuschauer unterstützen den Kasper engagiert bei seiner Suche und schließlich auch beim Überwältigen des Kindesräubers. Mit lautem Getöse begleiteten sie ihn dabei, wie er den Fremden kindgerecht und gewaltfrei in einen Sack steckt, um ihn dann der Polizei zu übergeben. Und weil so ein Kasper-Stück natürlich immer ein Happy End hat, konnte er Gretel anschließend wohlbehalten nach Hause bringen.

Noch einmal Kind sein dürfen

Wie bereits in der letzten Woche bemerkt, macht der Besuch des Puppentheaters durchaus auch ausgewachsenen Bürgerreportern Freude. Umso schöner war es in dieser Woche zu erleben, wie sehr Menschen mit geistiger Behinderung und an Demenz Erkrankte während des Stücks aufblühen und für eine kurze Zeit noch einmal ganz Kind sind.

Aus einer randomisierten klinischen Studie ist bereits bekannt, dass Singen und Musik aus der Jugendzeit einen positiven Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten von Demenz-Patienten hat. Der Besuch eines Kasperle-Theaters scheint einen ähnlichen Effekt zu haben und so wäre es durchaus wünschenswert, wenn mehr Demenz-Patienten die Möglichkeit hätten, ein solches Puppentheater anzuschauen. Josef Tränklers mobile Puppenbühne würde es ermöglichen Vorstellungen auch in Einrichtungen anzubieten.

Nächster Spielort der Puppenbühne

Von Unterbach geht es für die Tränklers mit den beiden Stücken nun nach Dinslaken. Dort gastiert die Puppenbühne vom 5. bis zum 15. August an der Trabrennbahn. Spielorte und Termine werden regelmäßig auf der Facebookseite veröffentlicht.

Wer die mobile Puppenbühne von Josef Tränklers Puppentheater für eine Vorstellung in einer Einrichtung oder auch auf einem größeren Kindergeburtstag buchen möchte, erreicht ihn mobil unter 0163 2559637.

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