Eine besondere Erfahrung

Foto: Nachbarschaftshilfe Corona

Wochenlang sind die Ehrenamtler der Nachbarschaftshilfe Corona in die Rolle der ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel geschlüpft und haben den Betrieb für Bedürftige aufrecht erhalten.

Mitte März musste die Erkrather Tafel schweren Herzens beschließen den Betrieb vorerst einzustellen. Zu groß war die Gefahr für die ehrenamtlichen Mitarbeiter und Helfer, von denen die Mehrzahl selbst zur Risikogruppe zählt. In den auf Schließung folgenden 14 Tage fanden intensive Gespräche zwischen dem Vorstand der Tafel und der Nachbarschaftshilfe Corona, vertreten durch Dominik Adolphy vom Verein Du-ich-wir und Dieter Thelen vom Freundeskreis für Flüchtlinge in Erkrath statt. “Wir wollten einen Weg finden, einen Ersatztafelbetrieb zu organisieren, damit diese wichtige Unterstützung für Bedürftige nicht ganz wegfällt”, erklärt Dominik Adolphy das Ziel dieser Gespräche.

Gemeinsam haben die Nachbarschaftshilfe Corona und die Erkrather Tafel ein Konzept entwickelt, mit dem auch unter den erschwerten und besonderen Bedingungen der Corona-Pandemie eine Versorgung der Bedürftigen möglich wurde. In den Gesprächen wurde aber auch schnell klar, dass die Fortführung ohne das Know-how der Tafel nicht möglich wäre. Die drei langjährigen Tafelmitarbeiter Guiseppe, Klaus und Michael boten spontan ihre Unterstützung an.

Viele Hände waren nötig

Die Nachbarschaftshilfe Corona hatte schon für Einkaufsdienste viele ehrenamtlich Helfer gefunden. Nun galt es es genügend Helfer für den Tafelbetrieb zu finden. In kurzer Zeit standen 60 ehrenamtlich Helfer bereit, unter ihnen auch einige Flüchtlinge, die aktiv mitgearbeitet haben. Unterstützung gab es dabei auch vom Verein füreinander. Zahlreiche Helfer haben schon frühmorgens fleißig mit angepackt, Lebensmittel in Geschäften und Bäckereien eingesammelt und alles für die Tafelausgabe vorbereitet. Die Erkrather Tafel selbst informierte alle Bedürftigen mit einem Schreiben über die Wiedereröffnung.

Unter den besonderen Bedingungen musste die Ausgabe umorganisiert werden. Zwar erfolgte die Ausgabe, wie gewohnt, dienstags und freitags, aber die Bedürftigen konnten die Räume der Tafel nicht betreten. Sie warteten vor der Tür, bis sie aufgerufen wurden. Tüten mit Obst, Gemüse, Molkereiprodukten, Backwaren und Süßigkeiten hatten die ehrenamtlichen Helfer schon gepackt, bevor die eigentliche Ausgabe begann.

Rückblick Tafelbetrieb – Nachbarschaftshilfe Corona

Auch vor dem Eingang der Tafel war einiges zu beachten. Die vorgeschriebenen Abstände waren markiert und Detlef Ehlert und Soroush übernahmen die Kontrolle der Tafelausweise und achteten darauf, dass die notwendigen Abstände eingehalten wurden. Ein Mitarbeiterin des Ordnungsamtes schaute zu Beginn vorbei, um zu sehen, ob die Hygienevorschriften ordnungsgemäß eingehalten werden.

Die Tafelbesucher waren ausgesprochen diszipliniert. “Wir möchten uns im Nachhinein auch noch einmal für das Verständnis in der Nachbarschaft und unter den Passanten auf der Bahnstraße bedanken”, sagt Dieter Thelen im Namen des gesamten Teams.

Die Wiedereröffnung der Tafelausgabe im Ersatzbetrieb innerhalb von nur 14 Tagen zu organisieren, Eröffnung war am 2. April 2020, ist nicht nur im Kreis Mettmann etwas Außergewöhnliches. Vielerorts im ganzen Land gab es wochenlang keine Tafelausgaben. Hier zeigte sich einmal mehr die ‘starke Gemeinschaft’ in Erkrath, die auch ad hoc in der Lage ist, etwas auf die Beine zu stellen. Von montags bis samstags fuhren die Helfer ihren Touren um Lebensmittel einzusammeln. Dienstags und freitags begannen 15 Helfer bereits morgens um 7.30 Uhr damit Tüten für die Ausgabe zu packen. Von 10.45 bis 12.30 Uhr dauerte dann die Ausgabe.

Unterstützung gab es auch noch von anderer Seite

“Zu Beginn konnten wir überhaupt nicht sicher sein, ob die Lebensmittel von Einzelhändlern, Discountern und Bäckereien reichen würden. Hamsterkäufe hatten so einige Regale leer werden lassen. Deshalb haben wir finanzielle Unterstützung beantragt”, erinnert sich Dieter Thelen an den Start. Unterstützung gab es dann umgehend vom Erzbistum Köln und die Aktion Mensch.

Knapp wurde es dann nur einmal um die Osterzeit. Da hat die Nachbarschaftshilfe Corona dann für die Ausgabe zugekauft. “Die gesamte übrige Zeit, waren wir wirklich beeindruckt, wie viele Lebensmittel zur Verfügung gestellt wurden” erinnert sich Dominik Adolphy an die vergangenen Wochen. Weggeworfen wurde in den letzten Wochen nichts. Wenn Lebensmittel übrigblieben, holten Helfer von food sharing sie ab und verteilten sie weiter. Zum Beispiel an Obdachlose in Düsseldorf. Auch die Elfanten im Wuppertaler Zoo durften sich über Sondermahlzeiten freuen. Sie erhielten Brot, dass für die Ausgabe zu alt geworden war.

Als klar wurde, dass auch unter den Tafelkunden Angehörige von Risikogruppen waren, die nicht selbst Lebensmittel holen konnten, bot der SKFM-Erkrath Hilfe an. Mit zwei Fahrzeugen und vier Helfern wurde ein Lieferdienst organisiert. Am Lieferdienst beteiligten sich auch einige private Helfer, die sich bei der Nachbarschaftshilfe gemeldet hatten. SKFM und private Helfer standen dienstags und freitags ab 10 Uhr bereit, um die fertig gepackten Tüten an die Haushalte zu liefern, die nicht selbst abholen konnten.

Resümee des Tafelersatzbetriebs

Am 22. Mai organisierte die Nachbarschaftshilfe Corona zum letzten Mal den Ersatzbetrieb. In dieser Woche ist die Tafel zum Normalbetrieb zurückgekehrt. 51.888 kg Lebensmittel hat die Nachbarschaftshilfe in den letzten Wochen eingesammelt, sortiert und für die Ausgabe vorbereitet. 15 Ausgabetage haben sie bestritten und an jedem davon wurden rund 260 Menschen mit Lebensmitteln versorgt.

“Wir alle, die wir an diesem Ersatzbetrieb beteiligt waren, haben durch unseren Einsatz die Arbeit der Tafel noch einmal auf eine ganz besondere Weise schätzen gelernt. Wir wissen jetzt, was die Helfer hier Woche für Woche leisten und einige unserer ehrenamtlichen Helfer wollen die Tafel auch in Zukunft tatkräftig unterstützen”, zieht Dieter Thelen ein positives Resümee.


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