Ein Wiedersehen mit Josef Tränklers Puppenbühne

von Timo Kremerius

Familie Tränkler. Foto: Timo Kremerius

Unser Bürgerreporter Timo Kremerius hat nach der Corona-bedingten Zwangspause die Puppenbühne besucht und für unsere Leser seine Eindrücke zusammengefasst und dabei auch Leben und Sorgen der Betreiber in der Pandemie geschildert.

Nach über einem Jahr Corona-bedingter Pause, war es am Sonntag, dem 17. Juli 2021 für mich endlich so weit. Worauf ich mich schon im März 2020 sehr gefreut hatte, fand endlich statt. Josef Tränklers Puppenbühne gastiert seit dem 15. Juli 2021 in D-Unterbach auf dem Schützenplatz/Gerresheimer Landstr., neben Haus Nr. 40. Also machte ich mich auf, zu einem entspannten Sonntagvormittag. Nach einer herzlichen Begrüßung waren Josef Tränkler und seine Familie vorerst für mich nicht mehr zu sprechen, da der Andrang für Sonntagmorgen doch erfreulich groß war. Man vertagte sich für nach der Veranstaltung.

Als alle ihre Plätze eingenommen hatten begrüßte Josef Tränkler seine jungen Zuschauer, allesamt von Eltern oder Großeltern begleitet, sehr einfühlsam und verbindlich und wies auf die „gruseligen“ Aspekte eines Puppentheaters hin. Liebevoll nahm er den kleinen Zuschauern die Angst vor der spannenden Handlung.

Und dann ging es los. Für mich ein Déjà-vu. Hatte ich doch mein letztes Puppentheater vor über 60 Jahren gesehen. Die Geschichte von „Kaspar und dem kleinen Drachen“ wurde von der vierköpfigen Familie Tränkler für die kleinen Zuschauer verständlich und sehr einfühlsam dargeboten. Ganz wichtig war, dass die Darsteller das Publikum zu jeder Zeit des Stückes mit in die Handlung eingebunden haben. Kindgerecht war das Stück in vier 15-minütige Akte aufgeteilt, sodass bei aller Aufregung auch Zeit für den Gang zu Toilette blieb.

Nachdem der große Drache seine Stimme von einem Zauberer wieder bekam – die Hexe machte im Stück nur Blödsinn – war das Stück zu Ende. Die Darsteller bekamen ihren wohlverdienten donnernden Applaus und die Eltern oder Großeltern konnten anschließend von ihren Kindern und Enkelkinder Fotos mit Josef Tränkler, Kaspar und dem Großen Drachen machen.

Über die Puppenbühne und Sorgen in der Pandemie

Josef Tränkler ist ein Familienunternehmen, welches sehr viel Freude vermittelt und hier und da den Ernst der Welt vergessen lässt. Alle sind eingebunden, auch Tayler – der dreijährige Spross der Tränklers – der schon professionell den Seppel spielte. Naja, über die traditionelle Rollenverteilung muss man doch schmunzeln, wenn Josef den großen Drachen spielt und seine Frau Jennifer die Hexe.

Nach dem Stück hatten wir Zeit ein wenig über die Entstehung des Puppentheaters zu sprechen. „Wir stammen aus einer großen alten Zirkusfamilie, die unter anderem auch dem Theater zugewandt war“, berichtet Josef Tränkler. Seit 2013 haben sich Josef und Jennifer Tränkler dem Puppenspiel verschrieben und beschlossen ein Puppentheater zu gründen. So wie ich die Beiden kennengelernt habe, ist ihnen das auf den Leib geschneidert. Zwei liebenswürdige Menschen, die nicht nur aus Leidenschaft mit den Puppen spielen, sondern sich auf die Fahne geschrieben haben, Alt und Jung zu erfreuen. Mit Tochter Shirley und Sohn Tayler gehören zwei bezaubernde Kinder zur Familie.

Nun ist es im fahrenden Gewerbe so, dass man nicht nach einem Jahr Arbeit sein Auskommen für den Rest des Lebens verdient hat. Es ist ein täglicher Kampf um die Zuschauer. In der Pandemie durchlebt Familie Tränkler eine sehr heikle Situation. Die Zuschauer blieben Corona-bedingt aus, die anfallenden Kosten wurden nicht weniger und die Zukunftsperspektiven sind im Moment sehr unsicher. Gerade kann gespielt werden und Familie Tränkler tut mit einem passenden Hygienekonzept alles für die Sicherheit der Zuschauer. Maskenpflicht bis zum festgelegten Sitzplatz, Desinfektionsspender am Eingang, Anwesenheitslisten und für rundum Belüftung bleibt die untere Bande des Zeltes offen. Im September und Oktober könnte es für das kleine Puppentheater aber schon wieder schwierig werden. Einige Verwaltungen haben jetzt schon angekündigt, dass nicht sicher ist, ob das Puppentheater stattfinden kann. Aus meiner Sicht ein wenig unverständlich, wenn man bedenkt, dass vor kurzem bei der EM noch 60 Tausend Zuschauer in ein Fußballstadion gelassen wurden.

Josef Tränklers Puppentheater ist ein Zweimann-Unternehmen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten, bringen sich auch schon Tochter Shirley und Sohn Tayler mit viel Freude ein und unterstützen ihre Eltern. Dabei ist der dreijährige Tayler ’schon ganz Profi‘.

Bewundernswert ist auch die Bewältigung der ganzen Logistik. Alles, was man auf der Wiese in Düsseldorf-Unterbach auf dem Schützenplatz/Gerresheimer Landstraße sieht, muss für jeden Spielort auf- und wieder abgebaut und natürlich auch transportiert werden. Eine unvorstellbare logistische Leistung, bei der der ein oder andere schon allein vom Zuhören passen würde. Und das bei 30 – 40 wechselnden Standorten im Jahr. Diese Familie braucht kein Fitnessstudio. Nun kommt zu der täglichen körperlichen und schauspielerischen Arbeit auch noch die Existenzangst, keine Zuschauer, kein Geld. In einer Branche, in der es ins Gewicht fällt, wenn man 2 Monate nicht spielen kann.

Josef Tränkler stellte bezüglich des Publikums auch fest, dass zu seinen Veranstaltungen nur noch die jüngeren Kinder mit ihren Eltern oder Großeltern kämen. Schulkinder würden seine Veranstaltungen nur noch sehr selten besuchen, obwohl es auch schöne Vorführungen für ältere Kinder gibt. Für mich schön zu sehen war, dass die Kinder gespannt mitfiebern, mitlachen und mit strahlenden Gesichtern das Theaterzelt verlassen.

Kommende Aufführungen

Wer seinen Kindern oder Enkelkindern ein ganz besonderes Erlebnis gönnen will: Josef Tränklers Puppentheater gastiert mit dem Stück „Kasper warnt: Gehe nie mit Fremdem mit“ noch am

  • Donnerstag,   22.07.2021      16.00 Uhr
  • Freitag,           23.07.2021      16.00 Uhr
  • Samstag,        24.07.2021      11.00 Uhr + 15.00 Uhr
  • Sonntag,        25.07.2021      11.00 Uhr + 15.00 Uhr

in Düsseldorf-Unterbach auf dem Schützenplatz/Gerresheimer Landstraße, neben Haus Nr. 40. Karten können unter 0177 5516301 – auch über WhatsApp – oder per Email an josef.traenkler@yahoo.de reserviert werden. Wo die Puppenbühne jeweils gastiert, ist auf der Facebookseite des kleinen Theaters zu erfahren.

Ich kann einen Besuch von Josef Tränklers Puppenbühne nur wärmstens empfehlen, und werde mir nächsten Sonntag einen zweiten Besuch gönnen und das Stück „Kasper warnt: Gehe nie mit Fremdem mit“ ansehen.

Josef Tränkler bietet auch eine mobile Puppenbühne, die für Kitas, Grundschulen, vielleicht auch größere Kindergeburtstage und andere Veranstaltungen gebucht werden kann. Auch mit dem Buchen der mobilen Puppenbühne kann man dem kleinen Familien-Puppentheater helfen, diese schwierige Zeit zu überstehen. Anfragen können direkt an Josef Tränkler gerichtet werden. Mobil 0163-2559637.

  • Anzeige
Über Bürgerreporter 121 Artikel
Hier schreiben Bürger für erkrath.jetzt

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*