Ein Vater des Unterbacher Karnevals

Totenwache zu Ehren von Jochem Schulte. - Foto: Exprinzen

Mitten in der Karnevalszeit von dieser Welt abzutreten, so hatte er es sich gewünscht, so ist es geschehen. Karnevalisten nahmen Abschied von Jochem Schulte.

Es gab eine Zeit in Unterbach, da spielte Karneval keine Rolle. Nach 1914 begann eine narrenfreie Zeit, die bis 1957 andauerte. Damals machten sich die ersten auf den Weg, um die fünfte Jahreszeit wieder zu erwecken. Einer davon: Jochem Schulte. Er hat den Wiederaufbau der alten Tradition entscheidend mit gestaltet und geprägt.

Der erste Narrenumzug in der Karnevalsneuzeit wurde vom Bürger- und Heimatverein organisiert. Mit dabei: Jochem Schulte. Er wirkte auch bei der Gründung des Närrischen Ausschuss im Verein mit, aus dem später der Karnevalsausschuss Unterbach hervorging. Jochem setzte auch Zeichen, indem er mit Kurt Kromrei in Abstimmung mit Familie Zech die Fahne entwickelte. In Unterbach war er darüber hinaus der 3. Prinz und gründete schließlich die Vereinigung der Exprinzen. 28 Jahre lang war er deren Sprecher und anschließend Ehrenpräsident.

Er war Karnevalist mit Haut und Haaren und die älteren des Karnevalsausschuss werden sicher noch lange den jüngeren Anekdoten von Jochem erzählen. Wie etwa die, als man ihn nach einer feucht fröhlichen Nacht im Teppich eingerollt nach Hause brachte. Oder die, als er – mangels eines Exprinzenwagens – mit anderen – einen alten Citroen 2CV zum Mini-Exprinzenwagen umfunktionierte und durch Unterbach schob.

Aber Jochem Schulte war nicht nur der, der für einen guten Spaß zu haben war, er war auch der, der die Exprinzengruppe stetig weiterentwickelte. Er führte den bis heute beliebten Ritterschlag und das Frühschoppen ein. Auch die Verleihung des Narrenspiegels, den in diesem Jahr Michael Corsten und seine Jungs von der Freiwilligen Feuerwehr Unterbach verliehen bekamen, ist eine seiner Ideen gewesen.

“Das sind Traditionen, die wir bis heute stolz bewahren. Wir haben sie mit ihm weiter entwickelt und werden das im Andenken an ihn auch weiter tun. Aus dem Frühschoppen ist inzwischen die Matinee geworden”, erklärt Norbert Fuchs, der heute Vorsitzender der Exprinzen ist.

Die Jubiläumsgarde der Exprinzen zum 4×11-jährige Jubiläum war eine Sternstunde von Jochems Wirken. Wochen- und nächtelang hat er sich um die Gestaltung und Anfertigung von Uniformen für die Exprinzen, von Höppemösche-Kostüme für die Exprinzessinen, der Standarte und des Schellenbaums gekümmert. Fest an seiner Seite war seine Moni von der Begeisterung mitgerissen und lief mit ihm gemeinsam zu Höchstform auf.

Jochem, der zu Lebzeiten bekannt für seine Liebe zum Detail und perfektes Timing war, verstarb am 18. Januar in der Karnevalssession, so wie er es sich immer gewünscht hatte. Auch wenn die Exprinzen und -prinzessinnen um ihn trauerten, führten sie alles in der Session so weiter, wie er es getan hätte. Seine Beisetzung erfolgte am 6. Februar. An diesem Tag wäre er 86 Jahre alt geworden. Ganz so, als wenn Jochem Schulte es selbst penibel geplant hätte, war der amtierende Prinz auch gleichzeitig sein Bestatter und so nahmen alle gemeinsam von ihm Abschied. Seinen letzten Weg trat Jochem in voller Uniform an. Er war eben ein Unterbacher Vollblut-Karnevalist und Exprinz.

“Wir verabschieden uns heute von Jochem Schulte, einem großartigen Unterbacher Karnevalisten”, nahmen die Exprinzen Abschied von ihrem Ehrenpräsidenten. “Wir Exprinzen verlieren einen Mitstreiter, der unendlich viel für uns und den Unterbacher Karneval getan hat. Jochem hinterlässt eine große Lücke. Lieber Jochem, wir werden dein Andenken bewahren und verabschieden Dich ehrfürchtig mit einem leisen iA.”

Jochem Schulte – Foto: Exprinzen

Aber Jochem wäre wohl nicht Jochem gewesen, wenn er den Exprinzen nichts hinterlassen hätte. Akribisch hatte er die Geschichte der Exprinzen zusammengetragen, die diese sorgfältig in seinem Sinne fortführen. Der Ordner, in dem die Geschichte gesammelt wird, wird liebevoll “Exprinzen-Katalog” genannt.


“Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!”
(Auszug aus ‘Stufen’ von Hermann Hesse)


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