Ein Bürgerbus für Hochdahl?

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Foto: Bürgerbusverein / Uli Schimschock

Im Mobilitätsausschuss ging es unter anderem um die Anbindung der oberen Willbeck. Tim Bäumken von der Rheinbahn stellte verschiedene Varianten vor. Darunter auch den Bürgerbus.

Welche Möglichkeiten gäbe es die obere Willbeck ans Busnetz anzuschließen und vor allem Senioren den beschwerlichen Weg zur nächsten Haltestelle zu verkürzen? Mit dieser Frage beschäftigte sich heute der Mobilitätsausschuss. Tim Bäumken, Verkehrsplanung Rheinbahn, unter anderem auch Ansprechpartner für Bürgerbuslinien, präsentierte unterschiedliche Varianten. Für Fragen waren zudem Marcel Beckmann und Dominik Odendahl vom ÖPNV Planungsamt des Kreises Mettmann per Video zugeschaltet.

In einer Präsentation erklärte Bäumken Vor- und Nachteile eines Anrufsammeltaxis (AST), des Taxibusses, sieben verschiedener Buslinienanpassungen und des Bürgerbusses für die Willbeck. Dabei zeigte er auch die Jahreskilometerleistungen der jeweiligen Varianten auf. Betrachtet wurden dabei Stichfahrten bestehender Buslinien wie dem 05er, Führung der Linie 786 von Haan kommenden über die obere Willbeck und Millrath nach Hochdahl, Verlängerung der Linie 786 von Hochdahl über Millrath in die oberere Willbeck (Variante 3). Auch eine Teilung der Linie 06, die wechselnd in die obere Willbeck oder nach Millrath fährt, war dabei. Selbst die Möglichkeit einer reinen Ortsbuslinie wurde betrachtet. Tim Bäumken erklärte vorab Erfahrungen mit Anrufsammeltaxis und Taxibussen. “Das ist oft der Einstieg in den Ausstieg”, erklärte er ein meinte damit, dass beides meist dort zum Einsatz käme, wo Linien gekürzt werden. Aber auch in anderer Hinsicht hat die Rheinbahn nicht wirklich gute Erfahrungen mit beiden Möglichkeiten gemacht, die nicht von der Rheinbahn selbst ausgeführt werden. Taxiunternehmen sind dabei als Subunternehmer tätig.

Von den sieben vorgestellten Varianten mit Rheinbahnbussen favorisiert die Rheinbahn selbst die Variante 3, bei der die Linie 786 von Hochdahl über Millrath in die obere Willbeck geführt würde. “Das ist auch die vom Kreis bevorzugte Variante, weil sie die Anbindung von Haan an die S-Bahn verbessern würde”, erklärt Marcel Beckmann. Es läge bereits ein Prüfauftrag für eine solche Möglichkeit vor. Der Nachteil aller Lösungen mit Linienbussen: Die Straßen in der oberen Willbeck sind eng. Für die bevorzugte Variante müsste ein Wendeplatz gebaut werden. Die Kosten für die Streckenverlängerung in Variante 3 beziffert die Rheinbahn mit 371 Tausend Euro. Für die baulichen Maßnahmen würden auf Seiten der Stadt noch einmal 200 bis 250 Tausend Euro anfallen.

Aufgehorcht haben die Ausschussmitglieder, als Tim Bäumken in seiner Präsentation den Bürgerbus präsentierte, der die kostengünstigste Lösung darstellen würde. “Ich begrüße die Information zum Bürgerbus. Bisher dachte ich, dass das an dieser Stelle nicht möglich wäre”, kommentierte Uli Schimschock diese Variante die obere Willbeck ans Busnetz anzubinden. Er bezog sich dabei auf die Überschneidung der Linienführung mit Rheinbahnbussen, die vieler Orts ein Ausschlusskriterium ist. “Die SPD präferiert die Variante 3, räumt aber dem Bürgerbus Vorrang ein, wenn sich bis zum dritten Quartal Menschen finden, die einen Bürgerbusverein gründen möchten.” Seitens des Erkrather Bürgerbusverein sagte er Unterstützung zu. Regina Wedding erinnert daran, dass es bereits vor 15 Jahren einen Vorstoß gab in Hochdahl einen Bürgerbusverein zu gründen, sich aber damals niemand bereit erklärte das Vorhaben voranzubringen. Vor zwei Jahren habe man noch einmal nachgefragt, aber auch dann niemanden gewinnen können.

Auf die Nachfrage, ob man mit dem bestehenden Bürgerbusverein auch eine Bürgerbuslinie in Hochdahl betreiben könne, antwortete Tim Bäumken, dass man das mit der Bezirksregierung klären müsse. Bei der Gründung des Bürgerbusvereins in Mettmann, war man noch davon ausgegangen, dass für jede Bürgerbuslinie ein eigener Verein gegründet werden muss. Bleibt abzuwarten, ob hier seitens der Bezirksregierung inzwischen ein Umdenken stattgefunden hat. Unterstützung und Beratung gäbe es – seitens des Bürgerbusvereins in Alt-Erkrath – aber natürlich auch für einen neu zu gründenen Bürgerbusverein in Hochdahl.

Wird der Bürgerbus auch für Hochdahl ein Erfolgsmodell?

Im Mobilitätsausschuss kamen die Ausschussmitglieder überein dieser Möglichkeit erst einmal Raum zu geben und die Möglichkeiten zu prüfen. Auch eine Informationsveranstaltung im Sommer war im Gespräch. Bis zum Herbst ist eine weitere Entscheidung zur Anbindung der oberen Willbeck zurückgestellt. Bis dahin soll noch einmal das Interesse für einen Bürgerbus in Hochdahl abgefragt werden.

In Alt-Erkrath ist der Bürgerbus ein Dauer-Erfolgsmodell, dass schon von vielen Städten ‘importiert’ wurde. In der Nachbarstadt Mettmann hat es 2019 nur wenig Zeit gebraucht, bis sich rund 16 Freiwillige gemeldet hatten, die bereit wären den Bürgerbus zu fahren. Der sollte eigentlich 2020 an den Start gehen, musste aber Corona-bedingt noch einmal verschoben werden.

Mit den ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer aus Alt-Erkrath lässt sich keine weitere Bürgerbus-Linie betreiben. Damit der Bürgerbus auch in Hochdahl an den Start gehen kann, werden interessierte Bürger gesucht, die ein Bürgerbusteam in Hochdahl bilden könnten. In Kürze soll es dazu weitere Informationen geben, damit Interessierte Kontakt aufnehmen können.

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