Ein Blick durch die Brille lohnt sich

Anja Saal. Foto: Ria Garcia

‘Blick durch die Brille der Phantasie’ ist der Titel der neuesten Ausstellung im KunsTHaus Erkrath. Künstlerin Anja Saal liebt klare Linien, versteckt aber gerne auch Details, die man erst bei näherem Hinsehen erkennt.

Armin Kaster, ‘ein wirklich guter Freund’, wie Anja Saal von ihm sagt, hielt die Eröffnungsrede zur Ausstellung. Die Gäste hatten sich, Corona-bedingt, vor dem KunsTHaus im Freien versammelt. Kaster kennt die Künstlerin wie nur wenige andere. “Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Ausstellung, die – davon gehe ich aus – ein großer Tag für Dich ist. Aber! Dieser große Tag ist „nur“ ein großer Tag von vielen weiteren großen Tagen in deinem Lebensrad. Jeder Tag prägt und formt Dich. Ganz so, wie Du den Ton formst, mit dem Du so oft arbeitest – geduldig und anhaltend”, findet er die Worte, die zu Anja Saals schaffen passen. Er lässt nicht unerwähnt, dass Saal in diesem Jahr beim Kunstwettbewerb ‘Brücken’ den Jurypreis für ihre Arbeit „Love builds bridges“ gewonnen hat. Und er spricht von Anja Saal als Mensch, der von der Liebe bewegt ist, die auch in ihren Kunstwerken sichtbar wird.

Davon, dass die Künstlerin ihren ganz persönlichen Stil gefunden hat und mit ihren Händen und Feuer aus Ton Leben sichtbar werden lässt, können sich die Ausstellungsbesucher später selbst überzeugen. Aber auch wenn Ton und Keramiken ganz eindeutig ihr künstlicheres Element sind, hat sie noch mehr zu bieten.

“Ich habe mich in letzter Zeit sehr viel mit Brillen beschäftigt. Sie verändern den jeweiligen Typ. Durch Brillen kann man etwas genauer betrachten”, erklärt Anja Saal den Titel der Ausstellung. Das sie selbst sehr viel Phantasie hat, bemerkt man, wenn man ihre Kunstwerke genauer betrachtet. Neben ihrem Schwerpunk Keramik oder genauer gesagt Rauchbrandkeramik malt sie und liebt das Experimentelle. So hat sie Malerei mit plastischen Arbeiten aus Ton zu einem Gesamtwerk komponiert, das den Blick auf sich zieht. Auch eine kleine Bronzeskulptur hat den Weg in die Ausstellung gefunden. Eine lebensgroße Statue, die aus einer alten Stehlampe, einem Hula-Hoop-Reifen und anderen Dingen entstanden ist, setzt einen farblichen Schwerpunkt in die Ausstellung, in der vieles Ton in Ton ist, um auf ihr Lieblingsmaterial zurückzukommen. “Ich arbeite schon seit meiner Kindheit mit Ton”, verrät die Künstlerin.

Zur Rauchbrandkeramik hat sie in Irland gefunden. Dort fehlte ihr zum Arbeiten ein Brennofen und schließlich hat sie ihre Tonfiguren in einer Tonne mit Sägemehl gebrannt. “Man weiß vorher nie genau, wie ein Stück wieder herauskommt. Mal ist es ganz schwarz, mal mit dunklen Stellen, mal mehr rötlich, mal mehr grau. Abhängig von der Farbe des Tons und vom Brennen”, beschreibt sie die Überraschungseffekte dieser Technik.

Die drei Wartenden

Bei den drei Wartenden hat Anja Saal mit Paper Clay gearbeitet, eine Technik, bei der dem Ton etwa 3 Prozent Papier beigemischt werden. Die Technik ermöglicht es andere Materialien einzuarbeiten. Saal verarbeitet dabei gerne Strandfundstücke, wie Glasscherben, Keramikscherben oder auch Metall. Es lohnt sich die drei Wartenden näher zu betrachten.

Und immer wieder die Brille

In einigen Kollagen hat sie immer gleiche Brillen mit unterschiedlichen Gesichtern hinterlegt. Als Hintergrund hat sie das Foto eines alten Lattenzauns gewählt, der einst mit Graffiti verändert auf dem Pose Marré Gelände zu finden war.

Eine der Brillen-Kollagen aus Anja Saals Ausstellung.

Wer jetzt neugierig geworden ist und die ganze Ausstellung im KunsTHaus Erkrath sehen möchte, hat noch bis zum 25. Oktober 2020 jeweils samstags von 15 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr oder mittwochs von 16 bis 19 Uhr Gelegenheit dazu. Mehr über die Künstlerin kann man auch über ihre digitale Pinnwand bei Padlet erfahren.

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