Dreck-weg-Tag in Hochdahl

Familie Arik, Irene und Sonja Thompson sowie Latifa Noori beim "Dreck-Weg-Tag". Einsatzgebiet: Rund um die Sedentalquelle am Stadtweiher / Foto: SK

Am Freitag, den 8., und Samstag, den 9. Oktober, konnten aufmerksame Beobachter mit Handschuhen, Eimern, Müllsäcken und Greifern ausgestattete Bürgerinnen und Bürger beim Aufsammeln dessen beobachten, was achtlos weggeworfen wird.

Bei allen drei Stadtteilkonferenzen war „Vermüllung“ des Stadtbildes ein Thema. Das Thema ist ‚Mensch-gemacht‘. Achtlos werden Zigarettenkippen weggeworfen und auch Verpackungen, Trinkbecher, Dosen oder Flaschen landen nicht in den Papierkörben am Wegesrand, sondern in den Grünanlagen. Das ist nicht nur optisch unschön, diese achtlose Wegwerf-Mentalität entwickelt sich mehr und mehr zu einem Problem für die Umwelt und auch für die Gesundheit von Tier und Mensch.

Tödliches Gift eines Zigarettenstummels

Ein einziger Zigarettenstummel verunreinigt mit seinen Inhaltsstoffen Nikotin, Dioxin, Formaldehyd und Cadmium rund 40 Liter Grundwasser. Der gleiche Zigarettenstummel einer Filterzigarette tötet – aufgelöst in einem Liter Wasser – kleine Lebewesen, wie Fische innerhalb von vier Tagen. Das konnte Prof. Thomas Novotny von der Universität San Diego in einer Studie belegen. Zigarettenkippen sind toxischer Sondermüll, der weder ins Wasser noch in die Natur gehört. Die Zersetzung eines Filters, der all diese Giftstoffe enthält, dauert zwei bis sieben Jahre.

Den meisten Rauchern ist diese Problematik nicht einmal bewusst. Ein Taschenaschenbecher könnte Abhilfe schaffen, wenn kein Papierkorb mit Aschenbecher in der Nähe ist. Bis sich aber am Verhalten der Raucher etwas ändert, werden sich wohl auch an kommenden Dreck-weg-Tagen wieder Menschen einfinden, die mühsam Zigarettenstummel für Zigarettenstummel aufsammeln und den Sondermüll entsorgen, damit nicht noch mehr Gift in die Umwelt und ins Trinkwasser gelangen.

Müll für die Ewigkeit

Viel stärker ist inzwischen die Problematik des Plastikmülls im Bewusstsein der Bevölkerung, vom Mikroplastik in den Meeren, an dem Fische und Vögel qualvoll verenden, weil sie mit ‚vollem Magen‘ verhungern, bis hin zum Plastik, dass in unsere eigene Nahrungskette gelangt oder gleich mit Kosmetika auf die Haut oder in den Mund kommt.

Wie lange Plastikabfall und anderer Müll braucht, um sich zu zersetzen, zeigt eine Statista-Infografik:

Infografik: Plastik währt ewig in den Ozeanen | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Einige Akteure, die sich in diesem Jahr zum Dreck-weg-Tag in Hochdahl engagiert haben

Jedes Jahr aufs Neue engagieren sich in ganz Erkrath viele Menschen am Dreck-weg-Tag, um den zuvor genannten Problemen für die Umfeld entgegenzuwirken und gleichzeitig ihr Umfeld schöner zu gestalten. Einige Beispiele des Engagements am diesjährigen Dreck-weg-Tag:

Private Initiative am Wäldchen an der Sedentaler Quelle am Hochdahl Haus

Sonja Thompson hatte „ihren Bereich“, um den sie sich in diesem Jahr zusammen mit ihrer Mutter Irene sowie der dreiköpfigen Familie Arik und Latifa Noori kümmern wollte, bei Abfallberaterin Sternberg angemeldet. Die von der Stadt zur Verfügung gestellten Säcke waren nach gut zwei Stunden Arbeit schon prall gefüllt. Außerdem standen Yoga-Matten, alte Teppiche und ein kaputtes Wahlplakat  an der Bank, an der sich die sechsköpfige Truppe zu einer Kaffeepause traf. „Es ist unglaublich, was man so an achtlos weggeworfenen Papieren, Taschentüchern oder Zigarettenstummeln findet, wenn man wie jetzt beim Müllsammeln mit offenen Augen durch die Anlage am Stadtweiher geht“, bringt Akari es auf den Punkt. Ihr Sohn hat einen alten Teppich, der in einem Baum hängt, entdeckt, den er später zusammen mit den anderen herausholte. „Da der Sperrmüll aus den von der LEG Wohnungsgenossenschaft verwalteten Wohnungen oft noch Wochen nach dem eigentlichen Abholtermin herumsteht, kommen Kids und Jugendliche natürlich schon mal auf dumme Ideen“, so Irene Thompsons Erklärung. Sie wohnt selbst in einem der Häuser an der Schildsheider Straße und hat die Hausverwaltung schon des Öfteren auf diese Problematik hingewiesen.

Mitglieder des Vereins Sandheider Markt4you räumen in dessen Umfeld auf

Auch wenn an diesem „Dreck-weg-Weg“-Wochenende viele, die sonst immer mit anpacken, privat verhindert waren, war es eine bunte Truppe, die zeitlich versetzt, an verschiedenen Orten in der Sandheide der „Vermüllung“ zu Leibe rückte. In Vertretung des Vereinsvorsitzenden Peter Urban hatte Daniel Kosman diesmal das Organisatorische übernommen. Am Freitagabend befreite er gemeinsam mit seinem Nachbarn sowie Lars Busch, auch Vereinsmitglied und den Lesern besonders als Initiator von „Erkrath – schön bunt“ bekannt, Gehwege und „Straßenbegleitgrün“ entlang des Sandheider Rings von weggeworfenem Unrat.

Samstagmorgen waren Kosman und die Verfasserin dieses Berichts dann noch entlang des Mahnert Baches unterwegs, so dass schließlich fünf Säcke mit Müll am vereinbarten Abholungspunkt, der Bushaltestelle gegenüber des „Mini Markt“, von den Mitarbeitern der Stadteinigung abgeholt werden konnten.

Dreck-weg-Tag 2021 Lars Busch und ein Helfer
Sandheider Markt4You beim Dreck-weg-Tag. Lars Busch und André Hillem, die am vergangenen Freitag den Sandheider Ring von achtlos weggeworfenem Müll befreiten. Foto: Sandheider Markt4U

Schon die Kleinsten packten mit an

Gerade ein Jahr alt ist Loic und damit der jüngste „Dreck-Weg-Tag“-Teilnehmer in der Sandheide. Zusammen mit der ein Jahr älteren Lia und Tagesmutter Anke Nordick befreite er den Sandheider Markt von herumliegenden Süßigkeits-Verpackungen, Trinkkartons und anderem, was eigentlich in den Müll gehört. „Wir haben unseren täglichen Spaziergang am Freitagmorgen mit der Aktion verbunden“, erzählt Anke Nordick, selbst auch Mitglied im Verein Sandheider Markt 4you. „Den Kindern macht es Spaß und sie lernen spielerisch, dass Müll in den entsprechenden Eimer entsorgt und nicht einfach fallen gelassen werden soll“, so Nordick. „Den Taler, den Lia beim Aufräumen gefunden hat, haben wir dann übrigens direkt im Mini Markt in etwas Süßes investiert“, verriet Nordick schmunzelnd. Verdient hat es der umweltbewusste Nachwuchs allemal.

Kommentar der Autorin Susann Krüll: Sie merken, geneigte Leserinnen und Leser, die Verfasserin dieses Artikels war, wie seit Jahren wieder selbst beim „Dreck-weg-Tag“ aktiv und konnte es wieder einmal nicht fassen, wie schwer es doch Vielen zu fallen scheint,  ihren Müll in den nächsten dafür vorgesehenen, zahlreich vorhandenen und – außer am Hochdahler Markt  auch in ausreichende Menge vorhandene- Mülleimer zu werfen. Weiter fragt sie sich, warum Taschenaschenbecher, die es in vielen Varianten zu kaufen gibt, bei rauchenden Zeitgenossen auch nicht bekannt zu sein scheinen. Haben die schon mal versucht eine Kippe vom Asphalt oder aus dem Straßengrün aufzuheben?
Doch auch, wenn die Verfasserin sich – wie sicher viele Andere auch, die seit Jahren organisierten oder auch eigenen „Dreck-Weg-Tagen“ mitmachen – spätestens bei der zehnten Zigarettenkippe oder dritten Trinkverpackung samt danebenliegendem Strohhalm fragt, warum sie Fremden hinterherräumt, lautet die Antwort: „Weil es wichtig ist für die Umwelt.“
Dreck-weg-Tag-2021 - Den Abschluss bildeten Samstvormittag Daniel Kosman und Susann Krüll, die entlang des Ufers am Mahnert Bach. Foto: SK

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1 Kommentar

  1. Neulich fuhr ich mit dem Fahrrad auf dem Radweg an der Sedentaler Straße, als mir 3 Jugendliche entgegenkamen. Einer trank aus einer grünen Glasflache, der andere hatte eine halbvolle Wasserflasche aus Plastik in der Hand, der dritte ein Tetrapack mit Strohhalm.
    Als ich eine halbe Stunde später denselben Weg zurückfuhr, rollte die leere Plastik-Pfandflasche auf dem Grünstreifen herum, das Tetrapack hing zerknüllt im Gebüsch und 30 Meter weiter lagen die Scherben der Glasflasche mitten auf dem Radweg.

    Kein weiterer Kommentar.

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