Digitalisierung: Ausschuss beschließt “die Zukunft”

Der Unterricht der Zukunft? Lernen auf Distanz Foto: © Corona-School

Es war eine emotionale Diskussion, die gestern im Ausschuss für Schule und Sport in der Stadthalle Erkrath geführt wurde. Zahlreiche Eltern waren gekommen, um auf die Missstände im Bereich der schulischen Digitalisierung aufmerksam zu machen.

Unbemerkt blieb der Zustand auch in den politischen Reihen nicht. Bereits vor einigen Wochen stellten BmU, CDU und die Grünen unterschiedliche Anträge mit dem gleichen Ziel: Chancengleichheit für alle Erkrather Schüler schaffen um Lernen auf Distanz voranzutreiben.

Und obwohl eingangs das Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht wurde, dass man im Vorfeld keinen gemeinsamen Antrag initiiert hätte, fand doch ungewohnte Einigkeit zwischen den Ausschussmitgliedern statt. Auch Bürgermeister Christoph Schultz sprach sich für schnelle Lösungen aus, übte in diesem Zusammenhang jedoch harsche Kritik an Bund und Land, die mit ihrem „Digitalpakt Schule“ zwar Lösungen versprachen, 1,2 Millionen Euro als einmaliger Zuschuss für die Stadt Erkrath aber zu wenig seien, um alle Schulen ausreichend auszustatten. Untätig war die Verwaltung in den vergangenen Wochen allerdings nicht. Der bestehende Kooperationsvertrag zum Ausbau der Digitalisierung, den Erkrath mit Hilden geschlossen hat, ist verlängert und von 1,5 auf zwei Stellen ausgeweitet worden. „Zudem haben wir sehr kurzfristig eine neue Stelle für einen Koordinator zur Digitalisierung an Schulen ausgeschrieben“, so Schultz.

Schnelle Lösungen statt langsame Bürokratie

Gute Neuigkeiten konnte auch Schuldezernent Ulrich Schwab-Bachmann verkünden. So sollen schon zeitnah 500 Millionen Euro vom Bund an die Kommunen ausgezahlt werden. Wieviel Geld letztlich in Erkrath ankommt steht aber noch nicht fest. Abwarten wollten die Politiker jedoch nicht. „Es müssen schnelle Lösungen her“, so Andrea Stracke-Knitsch (Bündnis 90/Die Grünen), die Zuspruch aus allen Fraktionen erhielt.

In einer kurzen Sitzungsunterbrechung bekamen die anwesenden Eltern das Wort. Claudia Schwinkendorf ist Mutter von zwei Schülern des Gymnasiums Hochdahl und Mitglied der dortigen Elterninitiative. Diese hatte sich mit einem offenen Brief (wir berichteten) an die Verwaltung gewandt, um schnelle Unterstützung im Bereich Digitalisierung und Lernen auf Distanz zu erhalten. „Es ist die traurige Wahrheit, dass wir den Weg zur Digitalisierung verschlafen haben“, ist sich die engagierte Mutter sicher und schildert in ihrer Ansprache den aktuellen Alltag ihrer Kinder. „Es wird mit Lernplattformen experimentiert, überall werden Insellösungen geschaffen.“ Eine anwesende Hauptschullehrerin machte auf die Situation in ihrer Klasse aufmerksam. „Von 18 Schülern besitzen lediglich zwei Schüler einen PC. Alle anderen haben maximal ein Handy.“ Dass selbst Kinder im Libanon regulären Unterricht am heimischen Computer haben, gab ein Vater von drei Kindern zu bedenken. „Selbst Entwicklungsländer sind diesbezüglich besser aufgestellt“, ist sich dieser sicher.

Ist der Plan zu ambitioniert?

Frank Neas, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft, gab den Eltern mit seiner Forderung auf schnelle Umsetzung ebenfalls Rückendeckung und forderte zudem Unterstützung an den Schulen durch fachkundige IT-Spezialisten. Einigkeit zeigten im Anschluss die Vertreter der Schulen. „Mit einer bloßen Beschaffung von Endgeräten für die Schüler ist das Problem nicht behoben“, so der Tenor der Schulleiter, die sich um Folgeprobleme sorgten. Auch kamen Fragen zum Verleihvorgang, der Versicherung, Kostenübernahme bei Verlust oder Beschädigung und letztlich das Erlernen des richtigen Umgangs mit den Geräten auf. Ob der Plan, alle Schüler mit passender Hard- und Software sowie nötigem Internetzugang zu versorgen, bis zum Beginn des neuen Schuljahres umgesetzt wird, ist fraglich. „Wir haben weder die Geräte, noch die passenden IT-Fachleute. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in dieser kurzen Zeit alles umsetzen“, so Detlef Ehlert, der mit seiner Fraktion schlussendlich ebenso wie die anderen Ausschussmitglieder einstimmig für folgenden Antrag stimmten:

  1. Es werden den Schulen unter Berücksichtigung aller Fördermöglichkeiten z.B. des Bundes die Mittel bereitgestellt, so dass allen Schülerinnen und  Schülern, die keinen oder keinen ausreichenden Zugang zu den notwendigen Endgeräten haben, diese leihweise zur Verfügung gestellt werden zur Nutzung zu Hause oder in der Schule unter Beachtung der entsprechenden Schutzmaßnahmen.

    Soweit die notwenigen Voraussetzungen zur Nutzung der Geräte (Zugang zum Internet, Installation, Einführung in die Bedienung etc.) nicht vorhanden ist, wird den Schülerinnen und Schülern entsprechende Hilfe (etwa durch die Beauftragung/Vermittlung von entsprechenden Unternehmen) gewährt.

  2. Die Verwaltung soll mit den Schulen abklären, inwieweit die Schulen die notwendige Infrastruktur für das Lernen auf Distanz zur Verfügung steht. Bei eventuellen Lücken sollen diese durch bedarfsgerechte Anschaffungen geschlossen werden.

  3. Allen Schulen in städtischer Trägerschaft wird nach Rücksprache und Bedarf eine Lernplattform zur Verfügung gestellt und abgefragt, welcher Fortbildungs- und Förderbedarf gesehen wird, den die Schule nicht aus eigener Kraft (Fortbildungsbudget, hilfsbereite kompetente Eltern) leisten kann.

  4. Die in den Punkten 1 bis 3 genannten Hilfen/Maßnahmen sollen bis zum Beginn des neuen Schuljahres zur Verfügung stehen. Soweit dies im Einzelfall (etwa wegen Lieferschwierigkeiten etc.) nicht möglich ist, werden die Schulen und die Ausschussmitglieder unverzüglich informiert.

  5. Die Verwaltung soll Auskunft darüber geben, welche Schulen mit Glasfaseranschlüssen ausgestattet sind (oder wann sie es sein werden), welche Schulen die Lichtwellenleistungen durch Verkabelung oder WLAN-Ausstattung in den Unterrichtsräumen bereits verfügbar haben (oder wann das der Fall sein wird).

  6. Die Verwaltung soll Auskunft darüber geben, inwieweit technisch-pädagogische Einsatzkonzepte, welche der Digitalpakt den Schulen vorschreibt, vorhanden sind und umgesetzt werden bzw. welche Unterstützungsleistung die Schulen für die Erarbeitung dieser Konzepte von der Stadt brauchen.

  7. Die Verwaltung wird jährlich vor den Haushaltsberatungen über den Ausstattungsstand der Schulen zu den o.a. Sachmitteln sowie zu digitalen Elementen wie Whiteboards und Beamern in den Unterrichtsräumen und den Schulverwaltungsräumen berichten.


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