Dieses bescheuerte Herz

Symbolbild: MustangJoe/ Pixabay

Am 26. Februar 2020 gastierte das Ensemble der Landesbühne Rheinland-Pfalz im Schlosstheater Neuwied mit der Tragikomödie „Dieses bescheuerte Herz“ nach dem Kinoerfolg und SPIEGEL-Bestseller von Daniel Meyer mit Lars Amend in der Erkrather Stadthalle.

Worum ging es in dem Stück und wie waren die Schauspieler?

Das Leben eine einzige Fete und in Saus und Braus, so gestaltet sich das Leben von Lenny, dem fast 30-jährigen Sohn eines anerkannten Herzspezialisten. Als er nach einer Trunkenheitsfahrt durch das verschlossene Garagentor brettert und den Sportwagen im häuslichen Swimmingpool versenkt, sperrt sein Vater ihm die Kreditkarten.

Als Wiedergutmachung bietet er ihm einen Deal an, nämlich dass er sich um einen seiner Patienten, dem 15-jährigen David, der mit einem schweren Herzfehler auf die Welt kam, unzählige Operationen hinter sich hat, kümmert. Jeder Tag könnte für David der letzte sein. Der anfängliche Widerwille Davids und dessen alleinerziehenden Mutter in deren Hochhaussiedlung. Lenny, der Lebemann wird zum ersten Mal mit den Umständen dieser lebensbedrohlichen Erkrankung sensibilisiert und reagiert äußerst widersprüchlich. Einerseits fühlt er sich zu dem Teenager hingezogen, andererseits ist er aber auch durch die vielen Einschränkungen in Davids Leben und die Schicksale seiner Schulkameraden im Hospiz überfordert. Das, was Lenny am besten kann, nämlich Davids materielle Wünsche zu erfüllen, wie zum Beispiel Sportwagen fahren oder shoppen gehen, versucht er für David zu realisieren. Doch David hat andere, immaterielle Bedürfnisse, wie beispielsweise ein Mädchen kennenzulernen, seine Mutter einmal glücklich zu sehen und sich zu verlieben Diese erscheinen dem herzkranken David kaum erreichbar.

Lenny will sich aus der Verantwortung stehlen um sein altes, ausuferndes Leben zu genießen. Also sagt er David „Tschüss“. Nachdem Lennys Vater das Schloss der Villa hat austauschen lassen, erhält Lenny ausgerechnet bei David, den er nach seinem Rauswurf aus der Familienvilla wieder besucht, einen Schlafplatz. Durch dieses Ereignis und dem intensiven Zusammenleben wächst ihm der Junge tatsächlich ans Herz und ändert sein Verhalten vom Beschützer zum großen Bruder, der sich mit Frechheit und Fantasie um die „unmöglichen Wünsche“ Davids zu kümmern.

Die Geschichte hatte sehr viele Facetten und war bühnentauglich umgeschrieben. Die Pubertät eines heranwachsenden Jungen, die Not und teilweise überforderte, alleinerziehende Mutter und Pflegeperson, die Ängste des Jungen vor den immerwährenden Krankenhausbesuchen und operativen Eingriffen waren gut umgesetzt. Die Veränderung Lennys wurde nicht sehr deutlich, da die Rolle seiner Person nicht den finanziellen Druck eines auch finanziell verwöhnten erwachsenen Sohnes und den anfänglichen Widerwillen mit einem todkranken Jungen umzugehen genügend beschrieben wurde.

Die Schauspieler waren bis in die Haarspitzen engagiert und spielten mit einer Inbrunst und einem begeisternden Engagement. Ihre Spielintensität war überzeugend.

Die andere Seite war das Stück selbst. Ein sehr schwieriger Stoff, der von den Zuschauern in unterschiedlicher Weise angenommen wurde. Es war kein Stück für die Schenkelklopfer, sondern ein Stück, was sehr nachdenklich machte. Die drei oder vier Lacher, eher Lächerchen oder Hüsterchen basierten auf flache Gags, die in jedem Stück hätten vorkommen können. Durchgängig war die Tragikomödie, bei zu mindestens der Hälfe der Zuschauer, ein Deprifaktor. Episoden, die die Ängste des Jungen und die Hektik der Nothilfe im Krankenhaus darstellen sollten, wirkten befremdlich in ihrer Darstellung. Es ist immer schwierig Themen wie Krankheiten in eine Komödie, auch wenn es eine Tragikomödie ist, umzusetzen. Dieses ist bei „Dieses bescheuerte Herz“, betrachtet man die Zuschauerreaktionen, nur zur Hälfte gelungen. Sicherlich weiß der Zuschauer was auf ihn zukommt, aber in diesem Fall waren viele nicht darauf vorbereitet, so dass es doch recht heftig war.

Wie war die Aufführung besucht?

Mit gut 400 Zuschauern war die Stadthalle zufriedenstellend gefüllt. 

Sind alle Zuschauer nach der Pause wiedergekommen?

Zur Pause verließen doch eine nicht unerhebliche Anzahl von Zuschauern das Theater. Genauso wie beim Stück „Die Niere“ im Januar konnte man feststellen, dass diese Tragikomödie nicht jedermanns Sache ist. In der heutigen schnelllebigen Zeit möchte man als Zuschauer unterhalten werden und das war bei dem Stück nicht für alle Zuschauer gegeben.

Was ist das nächste Theaterangebot in Erkrath?

Am Mittwoch dem 11.03.2020 wird die ernste Komödie „4000 Tage“ von Peter Quilter mit Mathias Herrmann, Mona Seefried und Raphael Grosch in der Stadthalle Erkrath aufgeführt. Die Abteilung Kultur der Stadt verschickt die Karten auch kostenfrei nach Hause. Telefon 0211 240740 09.


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