Die ganz besonderen Mitarbeiter

Symbolbild - Foto: Gerd Altmann / Pixabay

In einer (Online-)Fachtagung am 28. September 2021 werden die Ergebnisse aus einem zweijährigen Projekt vorgestellt, die Chancen präsentieren, die durch die Einstellung autistischer Mitarbeiter entstehen.

Einige Unternehmen, die händeringend Fachkräfte suchen, haben längst erkannt, dass Autisten in jeder Hinsicht ein Gewinn fürs Unternehmen sein können, wenn erst verstanden ist, das Autismus keine Krankheit ist. Autismus ist vergleichbar mit einem anderen ‚Betriebssystem‘. Während die Mehrzahl von uns am PC Betriebbssysteme wie Windows oder macOS bei der Arbeit bevorzugen, tickt ein Teil von uns anders und schwört auf Linux. Überträgt man das aufs menschliche Gehirn, dann laufen Autisten mit Linux und die große Masse eher mit Windows oder macOS. Und wen fragt man um Rat, wenn der Computer nicht mehr will? Oft sind es die Linux-Nutzer, die die Antworten parat haben.

Das kleine Beispiel sollte verdeutlichen, dass Autisten oft ganz besondere Qualitäten haben. Ein Schatz, den Unternehmen nur heben müssen, wenn sie Auszubildende oder Fachkräfte suchen. Dabei erhalten Sie Hilfe, denn zuerst einmal sollte man verstehen, ‚wie dieses andere Betriebssystem‘ tickt. Auch andere Mitarbeiter sollten darauf vorbereitet werden, damit es im Team anschließend nicht zu Missverständnissen kommt.

Das Forschungsprojekt und die Fachtagung

Dr. phil. Katrin Reich,
Wissenschaftliche Projektleiterin
Foto: privat

Zwei Jahre lang hat sich Dr. phil. Katrin Reich als Wissenschaftliche Projektleiterin beim B.B.W. St. Franziskus Abensberg (Berufsbildungswerk BBW) in einem Projekt dem Thema Autismus und Beruf (Projekt AUT-1a) gewidmet. Am 28. September werden die Ergebnisse und Entwicklungen in einer Hybridveranstaltung, die zum Teil in Präsenz, aber für eine große Teilnehmergruppe online veranstaltet wird, präsentiert.

Das Projekt sollte mit einer Befragung von Unternehmen starten. „Das war gar nicht so einfach, weil wir vorab datenschutzrechtliche Dinge berücksichtigen mussten. Wir haben dann zur Vereinfachung Unternehmen ausgewählt, die bereits mit den Berufsbildungswerken in Kontakt stehen“, erinnert sich Dr. Reich. Gemeint sind die Projektpartner Berufsbildungswerk St. Franziskus in Abensberg, das Christophorus-Werk in Lingen und das Berufsbildungswerk Bugenhagen am Timmendorfer Strand. Alle drei haben sich auf die Ausbildung von Menschen aus dem Autismus Spektrum spezialisiert und tragen das Gütesiegel Autismusgerechtes Berufsbildungswerk.Seit Jahren vermitteln die drei Bildungswerke erfolgreich qualifizierte Autisten auf den Arbeitsmarkt und konnten so genügend Unternehmensadressen für eine Befragung zusammentragen.

„Aber erst einmal brachten auch bei uns Corona und der erste Lockdown die zeitliche Projektplanung durcheinander“, berichtet Katrin Reich. Neben der quantitativen Befragung mittels Fragebögen wurden 21 Unternehmen in einem qualitativen Interview befragt. Im Projekt konnten viele Interessante Erkenntnisse gewonnen werden, die nun in der abschließenden Fachtagung einem breiten Publikum präsentiert werden sollen, um mehr Unternehmen und auch Mitarbeiter in Unternehmen für das Thema zu sensibilisieren.

„Jetzt wird mir erst bewusst, dass wir mehr als einen Autisten im Unternehmen haben“, äußerte sich ein Beteiligter im Projektverlauf. Oft ist gar nicht bekannt, dass im Unternehmen auch der eine oder andere Autist arbeitet. Sie werden als gewissenhaft, aber vielleicht ein wenig seltsam wahrgenommen.

Autismus hat unterschiedliche Ausprägungen, die mal stärker und mal schwächer ausfallen können. Während früher beim Wort Autismus eher das Bild des nicht sprechenden Kindes (frühkindlicher Autismus) aufflammte, weiß man heute viel mehr über das Autismusspektrum und seine Ausprägungen. Was am ehesten für alle Formen zutrifft: Schwierigkeiten des Betroffenen in der sozialen Interaktion und Kommunikation. Aber Autisten haben andere Qualitäten, die sie zu wertvollen Mitmenschen und zu wertvollen Mitarbeitern machen. „Wer das einmal erkannt hat, hat keine Bedenken mehr Autisten als künftige Auszubildende oder Fachkräfte im eigenen Unternehmen zu sehen“, ist Dr. Katrin Reich überzeugt.

Im Projektverlauf sind zwei Broschüren entstanden, von denen eine über autismusgerechte Arbeitsplatzgestaltung informiert und eine zweite bildhaft als Graphic Novel Mitarbeiter sensibilisieren soll. Auch eine Internetplattform zum Thema entsteht gerade. Auf www.autismusundarbeit.de wird künftig arbeitgebergerechtes Wissen zum Thema Autismus gebündelt.

Außerdem ist im Projektverlauf ein Unternehmensnetzwerk entstanden, das künftig die guten Erfahrungen im eigenen Unternehmen mit anderen Unternehmen teilen möchte. „Das ist ein Netzwerk, in dem Unternehmen, die bereits Autisten beschäftigen Erfahrungen austauschen und auch an Unternehmen weitergeben, die sich erstmals dafür interessieren Autisten zu beschäftigen“, verrät Dr. Reich. Interessierten Unternehmen vermittelt sie gern den Kontakt zum Netzwerk.

Die Unternehmer und Personaler, die jetzt neugierig auf die ‚ganz besonderen Mitarbeiter‘ geworden sind, können sich noch zur kostenlosen Fachtagung anmelden.

Ein kleiner Einblick in das Thema autistische Mitarbeiter zeigt der Film

Der Flyer zur Fachtagung

Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung unter: https://www.bbw-abensberg.de/fachtagungen

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