Der Sportler und die Dame

V.l.n.r.: Stellvertretender Landrat Michael Ruppert (l.) mit den Jubilaren Raya und Leonid Volkenshteyn mit Tochter Tetyana (hinten) und Regina Wedding (stellvertretende Bürgermeisterin). Foto: Ria Garcia

Am vergangenen Donnerstag feierten Raya und Leonid Volkenshteyn ihre Diamantene Hochzeit. Leonid wirkte mit seinen 85 Jahren durchtrainiert, Raya (86 Jahre) empfing die Gäste mit dem geübten Schick einer Dame.

Auf dem Weg über steile Treppenstufen in die erste Etage philosophierten wir noch mit dem stellvertretenden Landrat Michael Ruppert über den außergewöhnlichen Namen des Paars, zu dessen Ehren er heute in Vertretung des Landrats zu Besuch kam. An der Tür empfingen uns Raya und Leonid Volkenshteyn mit Tochter Tetyana, die sich extra für den hohen Besuch frei genommen hatte. Auch die stellvertretende Bürgermeisterin Regina Wedding hatte sich im Namen der Stadt Erkrath angekündigt. „Die ganze Familie ist vor 18 Jahren aus der Ukraine nach Deutschland übergesiedelt“, erzählte Tetyana gleich zu Beginn. Damals waren die heutigen Jubilare schon im Rentenalter. Zwar haben sie hier auch ein wenig Deutsch gelernt, aber eine fließende Unterhaltung wäre ohne Unterstützung der Tochter nicht möglich.

Die Erklärung zum eher außergewöhnlichen Namen erhalten wir dann auch. Die Volkenshteyns entspringen einer jüdischen Familie. Ein 1991 in Kraft getretenes Gesetz ermöglichte es der Familie mit jüdischen Wurzeln als jüdische Emigranten in Deutschland eine neue Heimat zu finden. In der Ukraine gehörten sie zu einer Minderheit. Dabei hatte es Leonid in seinem Berufsleben einst gut getroffen. In seinen Genen lag der Sport und so brachte er es bis zum Leiter der Kinder- und Jugend-Sportschule in Kiew. „Auch der Boxer Klitschkow hat diese Schule als Junge besucht“, verrät der sympathische Jubilar. Der Bruder des Box-Champions ist heute Bürgermeister von Kiew.
Auch Raya war in der Ukraine berufstätig, war in einem Unternehmen angestellt, das Plattenspieler und Elektronik produzierte.

Ein Blick in die Familienfotos

Tochter Tetyana holt schließlich Fotos hervor, die ihren Vater als jungen Mann beim Kanufahren, Tauchen und Skifahren zeigen. Die Fotos, die Leonid zum Teil in Shorts und mit freiem Oberkörper zeigen, lassen Fotos von Lex Barker in der Tarzan-Rolle verblassen. Der alte Herr lächelte. Bis vor einem Jahr ist er mit seiner Frau noch regelmäßig zu Parea in der Schliemannstraße zum Sport gegangen, aber Raya fällt das inzwischen schwer und so beschränkt sich Leonid bei seinen sportlichen Aktivitäten aufs Rasenmähen, des großen Gartens, der zur Wohnung gehört. Raya leistet ihm dabei Gesellschaft, sitzt auf der Hollywood-Schaukel und schaut ihm zu.

Als Raya und Leonid sich vor 18 Jahren auf den Weg nach Deutschland machten, war die Familie an ihrer Seite. Tochter Tetyana war längst selbst Mutter, die Enkel schon fast erwachsen. Eine Tochter und einen Sohn hat Tetyana. Die Wohnzimmerwand der Eltern ist geschmückt mit Fotos der Familie, Enkeln und Urenkeln. Zwei nebeneinander hängende Bilder stechen ins Auge. Das eine zeigt Leonid als jungen Mann, das andere seinen Enkel in etwa gleichem Alter. Die Ähnlichkeit ist auffallend. „Das ist nicht nur äußerlich. Auch die sportlichen Gene hat er geerbt“, verrät Tetyana. Ihr Sohn lebt mit der Familie in Lugano, hat selbst inzwischen Tochter und Sohn und arbeitet für eine Modefirma. Beruflich hat er die Sportlerkarriere zwar nicht angestrebt, aber privat ist auch er sehr aktiv, läuft unter anderem Marathon.

Beim Betrachten der Fotos schaut Raya für einen Moment traurig aus. Sie hält ein Foto von sich und dem Urenkel in den Händen. Ihr Enkel ist beruflich gebunden, die Urenkel gehen zur Schule und können zur Diamantenen Hochzeit aus der Schweiz nicht anreisen. Als wir fragen, ob das auf dem Foto der Urenkel ist, lächelt sie. Zwischendurch klingelt immer wieder das Telefon. Glückwünsche für das Paar. Die sind auch per Post eingegangen, wie die beiden den Gästen zeigen. Michael Ruppert überrascht mit einigen Worten Russisch. Mitgebracht hat er aus dem Kreis einen Korb voll regionaler Produkte und Glückwünsche des Landrats. Regina Wedding überbrachte Glückwünsche und kleine Aufmerksamkeiten aus der Stadt.

Am Abend ging es dann für die Jubilare mit Familie und Freunden zum Essen in den Erkrather Hof. Raya hatte sich schon am Morgen schick gemacht. „Das hat sie nie abgelegt. Es ist ihr wichtig gepflegt und schick zu sein“, flüsterte uns Tetyana lächelnd zu. Den Sportler sieht man ihrem Vater Leonid bis zum heutigen Tage an. Mutter Raya hat sich die aufrechte Haltung und den Schick einer Dame erhalten. Wir haben ein paar Fotos des schmucken Paars aus jungen Jahren zur Veröffentlichung erhalten.

Alles Gute für die Beiden auch noch einmal aus unserer Redaktion.

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