Dem ‘Fundort des Neandertalers’ gerecht werden

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Zwölf der insgesamt rund 20 Bürger, die den Antrag zur tiefergehenden archäologischen Untersuchung der Neanderhöhe unterzeichnet haben. Foto: Ria Garcia

Zwanzig geschichtsinteressierte Bürger, unter ihnen der Archäologe Wolfgang Heuschen, möchten weitergehende archäologische Untersuchungen, als sie für das Gewerbegebiet Neanderhöhe derzeit vorgesehen sind.

Mit einem umfangreichen Bürgerantrag haben sie ihr Anliegen nun an den Fachausschuss adressiert. Wir haben einen Teil der Bürger am vergangenen Samstag im Vorfeld an der Neanderhöhe getroffen. “Ich war wie elektrisiert, als ich das erste Mal von diesem Fund aus der Eisenzeit gelesen habe”, verrät Heimatforscherin Hannah Eggerath. Am Mittwoch wird der Bürgerantrag in einer Sondersitzung des Ausschusses für Umwelt und Planung, in der es ausschließlich um die Neanderhöhe geht, behandelt. Dann wollen die Unterzeichner, die es einrichten können, dabei sein. “Ich werde auf jeden Fall versuchen vor Ort zu sein und unseren Antrag zu vertreten”, kündigt Wolfgang Heuschen an.

Der unterzeichnete Bürgerantrag lautet:
“Aus den nachfolgend beschriebenen Gründen beantragen wir, dass bereits im Vorfeld der geplanten Erschließungs- bzw. Baumaßnahmen auf der Neanderhöhe archäologische Untersuchungen – mindestens bis zur max. Eingriffstiefe – auf altsteinzeitliche Fundstellen durchgeführt werden. Nach den aktuellen Funden aus der Eisenzeit sind diese Untersuchungen aus unserer Sicht aufgrund der weltweiten Bedeutung des unweit der Neanderhöhe endeckten Neandertalers unerlässlich.” 
Download des kompletten Antrags mit Begründung.

Wolfgang Heuschen erklärt die Hintergründe zu diesem Bürgerantrag: “Aufgrund archäologischer Untersuchungen im Vorfeld der geplanten Baumaßnahmen auf der Neanderhöhe konnten dort jüngst eisenzeitlichen Siedlungsresten (ca. 370 – 150 v.Chr.) entdeckt werden. Nur wenige hundert Meter von dem geplanten Baugebiet entfernt befanden sich jedoch auch mehrere altsteinzeitliche Fundstellen (300.000-24.000 v.Chr.), die im Zuge des Kalksteinabbaus im Neandertalertal entdeckt und weitgehend undokumentiert zerstört worden sind. Die berühmteste der Fundstellen ist die „Kleinen Feldhofer Grotte“, in der 1856 die weltberühmten Überreste des Neandertalers (ca. 40.000 v.Chr.) gefunden wurden, die heute als Kronzeuge der Evolutionstheorie Darwins gelten. 

Nach unserer Auffassung darf sich keinesfalls wiederholen, was damals geschah: Weil man seinerzeit die Bedeutung der Funde zunächst nicht erkannte fielen mehrere altsteinzeitliche Fundstellen, darunter auch die „Kleine Feldhofer Grotte“, dem Kalkabbau zum Opfer und wurde ohne weitere Untersuchungen zerstört. Es ist zu vermuten, dass damit auch zahlreiche weitere Überreste aus der Zeit der Neandertaler für immer verloren gegangen sind. 

Heute wissen wir um die Bedeutung des Neandertals für die Geschichte der Menschheit. Aus unserer Sicht ist es daher unerlässlich, dass die Fläche aufgrund ihrer Nähe zu den altsteinzeitlichen Fundstellen vor einer etwaigen Bebauung archäologisch auf weitere Zeugnisse der altsteinzeitlichen Jäger und Sammler hin untersucht wird. Die nun vorgesehene ‘archäologische Begleitung’ parallel zur Erschließung des Gebietes ist nach meiner Erfahrung als Archäologe keinesfalls geeignet, die notwendigen Untersuchungen mit der gebotenen Sorgfalt durchzuführen. 

Wir appellieren deshalb an Rat und Verwaltung, die Fehler des vorletzten Jahrhunderts nicht zu wiederholen und die Erschließung und Bebauung der Fläche zumindest zurückzustellen!”

Bei unserem Treffen an der Neanderhöhe wies Wolfgang Heuschen auch noch einmal darauf hin, dass die eilige Vorgehensweise bei Erschließung und Verkauf den Erfahrungen entgegenstehe, die in der Pandemie gemacht wurden. “Viele Arbeitsplätze werden nach Corona nicht wieder aus dem Homeoffice in Firmenräume zurückkehren. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass in Zukunft deutlich weniger Büroraum benötigt wird.”

Morgen wird der Bürgerantrag in der Sondersitzung des Fachausschusses behandelt. Wir werden für unsere Leser berichten.

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