Das hässliche Entlein

Schauspielerin Beate Sarrazin ist im Theater Anderswo in ihrem Element Foto: Timo Kremerius

Es gibt in Erkrath Orte, an denen man nicht vermutet Kultur in feinster Form zu finden. Abseits von Stadthalle, Bürgerhaus und Lokschuppen findet man in Hochdahl auf dem Naheweg das „Theater Anderswo“ von Beate Sarrazin.

„Das hässliche Entlein“ war am 08. März Mittelpunkt im „Theater Anderswo“. Viele Menschen -ob jung oder alt- kennen das Märchen des dänischen Dichters und Schriftsteller Hans Christian Andersen in dem es um eine Entenmutter geht, die auf einem Bauernhof lebt und darauf wartete, dass ihre sieben Küken bald schlüpfen würden. Verwundert stellte sie fest, dass das siebte Ei viel größer als alle anderen war und sich nicht rührte. Es dauerte eine Weile, und ein paar Tage später schlüpfte ein graues, hässliches Entlein aus dem Ei. Das graue Entlein wurde von seiner Mutter aber genauso geliebt wie alle anderen Küken. Allerdings sorgte sich die Mutter, da das graue Entlein sehr tollpatschig. Und weil es so anders aussah, wollte keines der anderen Entlein mit ihm spielen.

Traurig und deprimiert fasste das Entlein eines Tages den Entschluss, wegzulaufen. Eines Nachts, als alle anderen Tiere schliefen, schlüpfte es aus dem Stall und begann seine Reise, auf dem ihm viele andere Tiere begegneten. Die Frage, warum es so hässlich war, konnte ihm aber niemand beantworten. Eine Bäuerin, die das Entlein traf, dachte das Entlein wäre eine Gans und sperrte es in einen Käfig, weil sie wollte, dass das Entlein Gänseeier legte. Da das Entlein aber keine Gans war und die Bäuerin nicht so helle, wurde das Ansinnen nicht von Erfolg gekrönt. Aus Angst als Gänsebraten zu enden, lief das Entlein schnell wieder weg.

Das kleine Entlein fand einen wunderschönen See, versteckte sich im Schilf und blieb dort. Aber nach einiger Zeit, als der Winter kam und es immer schwieriger wurde Nahrung zu finden, wurde das Entlein immer schwächer und verließ sein Versteck. Ein Bauer fand das schwache Entlein und nahm es mit zu sich nach Hause wo es von den Kindern des Bauers gepflegt und aufgepäppelt wurde. So überlebte das hässliche Entlein den Winter. Im Frühling, als das Entlein sehr groß geworden war, brachte es der Bauer zurück an den Schilfsee.

Als das Entlein sein Spiegelbild sah erschrak es, weil es überhaupt nicht mehr hässlich war. Ganz im Gegenteil, dass Entlein war zu einem wunderschönen Schwan geworden. Auch alle anderen Schwäne, die an den See zurückkehrten, freuten sich über ihn. Ab diesem Tag gab es kein hässliches Entlein mehr, sondern nur einen wunderbaren Schwan, der sich niemals mehr einsam fühlte!

Es war ein Genuss, dem “One Woman” Auftritt von Beate Sarrazin zu genießen. Allein die außergewöhnliche Location auf dem Naheweg 25 in Hochdahl macht schon neugierig. Wenn man die vier Etagen zum Veranstaltungsraum geschafft hat und noch ein wenig außer Atem ist, wird man von der Gastgeberin Beate freundlich und schon fast liebevoll empfangen. Man hat direkt das Gefühl zu Hause zu sein. Nach einem kurzen Gespräch- man kommt ja normalerweise immer ein wenig früher- begibt man sich in das Theater, dem größten Raum der Wohnung, der aber theatergerecht ausgestattet ist. Die Zuschauer, heute waren auch einige sehr junge Kids im Raum, sind noch dabei alles kennenzulernen und schauen sich neugierig im Raum um als Beate Sarrazin, die in den 80er Jahren eine Schauspielausbildung absolviert hat, den Raum betritt und freundlich alt und jung begrüßt. Nach Bekanntgabe des Stückes, „Das hässliche Entlein “, legt Beate los.

Sie spielt mit einer begeisternden Inbrunst, Mimik und Spielfreude, die man manchmal in Theatern sehr vermisst, wenn Schauspieler ihren Job nur abspulen. Bei Beate Sarrazin ist nichts mechanisch, auch werden die Kinder, es handelt sich ja schließlich um ein Märchen, sowie die Erwachsenen geschickt in die Vorstellung eingebunden. Sie machen es auch gerne. Beate Sarrazin gurrte wie eine Taube, krähte wie eine Krähe, schlechthin vermittelte sie den Zuschauer eine große Spannbreite der unterschiedlichsten Tierlaute. Nach der etwa einstündigen Vorstellung bekam Beate regen Applaus für Ihre überzeugende Vorstellung.

„Das hässliche Entlein “ hatte bei der Interpretation eine leichte Tendenz mehr für die Erwachsenen, wurde aber von allen Altersklassen dankbar angenommen. Letztendlich kann man als Fazit nur sagen, dass es sehr erfreulich ist, in unserer Stadt wieder so ein Kleinod entdeckt zu haben, wie hier, wo eine engagierte Schauspielerin ihren Mitmenschen einen kurzweiligen Nachmittag schenkt. Natürlich gingen die Zuschauer nicht, wie im Theater nach dem Pflichtapplaus hektisch nach Hause. Bei Beate lässt man den Nachmittag mit Fingerfood und einem Gläschen Sekt oder Anderem ausklingen.

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