Das Glück auf drei Rädern

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'Das Glück auf drei Rädern'. V.l.n.r.: Erhard Bartel, Andrea Dzeyk (ADFC), Silvia Usiayo (Haus Bavier & Bodelschwingh), Monika Thöne (Begegnungsstätte Gerberstraße), Jörn Jasper (Ehrenamtler) und Erhard Tönjes (Stiftung Abendsonne). Foto: Ria Garcia

Die Begnungsstätte Gerberstraße hat Zuwachs bekommen. Ein E-Tandem kann künftig gebucht werden und bietet die Möglichkeit mit Spazierfahrten durch Erkrath ein Stück Lebensfreude zu schenken.

“Kann man das mieten?”, fragte Erhard Bartel am vergangenen Donnerstag, als das Gefährt zu einem Pressetermin vor der Begnungsstätte stand. Dem Ehemann einer demenziell Erkrankten hatte sich der positive Nutzen auf den ersten Blick erschlossen und genau um diese Zielgruppe ging es den Verantwortlichen auch in erster Linie. Mieten kann man das E-Tandem nicht, denn die Nutzung ist kostenlos, wenn man sich auch über kleine Spenden freut, die Pflege und Instandhaltung decken können. Aber buchen kann man es.

Erhard Bartel (l.) mit Dr. Erhard Tönjes beim ‘Probesitzen’. Foto: Ria Garcia

“Es ist gerade einmal zwei Wochen her, da hat mich Jörg Jasper angesprochen, weil er uns gerne ehrenamtlich unterstützen wollte” erinnerte sich Monika Thöne, Leiterin der Begegnungsstätte Gerberstraße. Eine glückliche Fügung, denn der neue Ehrenamtler war vor seinem Ruhestand im Projektmanagement tätig und bringt diese Expertise jetzt ein. In der Begegnungsstätte ist er nun der Projektmanager E-Tandem und kümmert sich mit Monika Thöne um ein Buchungssystem. “Möglicherweise können wir das E-Tandem als ‘Raum’ in unser bestehendes Raumbuchungssystem integrieren”, erklärte Monika Thöne, die Lösung, die am wenigsten Aufwand bereiten würde. Jörg Jasper wird sich auch um die Schulung der Fahrer kümmern und die Übergabe und Rückgabe managen. Die Versicherungsfrage für das E-Tandem ist bereits geklärt und die Fahrer sind als Ehrenamtler über die Begegnungsstätte abgesichert.

“Eigentlich ist die Idee zum E-Tadem nicht neu. Vor etwa sieben oder acht Jahren haben Wolfgang und Anna Appelbaum eine Qualifizierung zu Demenz absolviert und wollten ‘begleitet fahren’. Sie starteten in Hilden”, schilderte Monika Thöne den Ursprung der Idee. Ein bisschen geriet die Idee dann wieder in Vergessenheit, bis im vorletzten Jahr in einer Mobilitätsgruppe und beim Runden Tisch für Senioren Arbeitskreis Alt-Erkrath das Thema wieder hoch kam.

Stiftung Abendsonne unterstützt das Projekt

“Das ist ja mal ein interessantes Projekt”, dachte sich Dr. Erhard Tönjes, Vorstand der Stiftung Abendsonne. “Wir haben die Begegnungsstätte schon länger im Blick und wollten wieder einmal etwas für sie tun”, erklärte er. Vor ein paar Jahren hatte die Stiftung bereits Musikinstrumente für die ‘kleine Marktmusik’ gestiftet. Bei der kleinen Marktmusik können demenziell Erkrankte freitags während des Wochenmarkts in der Begegnungsstätte musizieren, während die Angehörigen den Einkauf erledigen. Corona lässt leider auch dieses Angebot aktuell ruhen. Anders könnte es in den kommenden Monaten mit dem E-Tandem aussehen. Bewegung zu zweit an der frischen Luft, eventuell mit Maske könnte deutlich vor Aktivitäten in der Begegnungsstätte möglich sein.

Foto: Ria Garcia

11.247 Euro hat die in den Niederlanden gebaute Spezialanfertigung gekostet. Diesen stolzen Preis hat die Stiftung Abendsonne übernommen, die noch in diesem Jahr gemeinsam mit der Jugendstiftung in eine Bürgerstiftung überführt werden soll. Die Mitglieder beider Stiftungen haben bereits zugestimmt und so könnte der Wirkungskreis der beiden Stiftungen künftig noch deutlich größer werden.

Auch der ADFC Erkrath hat im letzten Jahr bei seinen Feierabendtouren Spenden gesammelt und zum Gelingen des Projekts beigetragen. “Wir möchten ja mehr Menschen für das Fahrradfahren begeistern und haben uns sehr gefreut, dass das Projekt E-Tandem Wirklichkeit geworden ist”, sagte Andrea Dzeyk vom ADFC.

‘Garage’ für das E-Tandem gesucht

Foto: Ria Garcia

Mit einem Blick auf das neue E-Tandem ist klar: Es ist relativ groß. In der Begegnungsstätte selbst hätte es keinen Stellplatz gefunden. “Da ist es gut, dass wir inzwischen über die ehemalige ‘Nachbarschaftshilfe Corona’ und den neu gegründeten Verein ‘Erkrath hält zusammen’ inzwischen so stark vernetzt sind”, freute sich Monika Thöne. Schnell war eine Lösung ganz in der Nähe gefunden. Silvia Usiayo, Leiterin Sozialer Dienst im Haus Bavier & Bodelschwingh, meldete sich spontan: “Wir haben doch soviel Platz hier.” Schnell entstand der Gedanke das E-Tandem gemeinsam zu nutzen. “Wir betreuen ja auch gerontopsychiatrisch Erkrankte. Unsere Bewohner sind schon ganz begeistert von dem Gefährt”, berichtete sie lachend und so wird man in Alt-Erkrath wohl nun häufiger Spazierfahrten – mal mit Sonnenschirm und mal ohne – beobachten, bei denen sich besonders die Beifahrer freuen. Wer Interesse hat ehrenamtlich Fahrer des neuen E-Tandems zu werden, kann sich in der Begegnungsstätte Gerberstraße melden.

Kommentar: Schön wäre es natürlich, wenn nach den ersten Erfahrungen auch in Hochdahl und Unterfeldhaus ein E-Tandem (oder vielleicht auch mehrere) für Spazierfahrten mit demenziell Erkrankten oder vielleicht auch nur mit Menschen, die in ihrer Mobilität stark eingeschränkt sind, zur Verfügung stünde und unterwegs viele glückliche Gesichter zu sehen wären.

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