Das ‚Birkheuer-Referat‘ und die Kunstpunkte

CB

Birkheuer (2. v. r.) fand die Aktion der beiden Schülerinnen einfach toll. Foto: CB

Statt im offenen Atelier zum Trillser Straßenfest waren im August Werke von Claudia Birkheuer bei den Kunstpunkten in Düsseldorf ausgestellt. Das brachte Überraschungen mit sich.

Claudia Birkheuer staunte nicht schlecht, als ein voller Bus interessierter Gäste vor dem Frisörsalon von Marion Pfister hielt, um ihre neun großformatigen Bilder zu sehen. Aber das war nicht die einzige Überraschung während der Ausstellung. Am Nachmittag standen zwei 14-jährige Schülerinnen im Salon. Victoria Nuss und Marta Jastrzebski hatten sich vorgenommen im Kunstunterricht ein Referat zu halten und baten die Künstlerin um ein Interview. Da während der Ausstellung wenig Zeit blieb, verabredete sich Claudia Birkheuer mit den beiden in ihrem Atelier ‚Püttbach-Schmiede‘. „Wir wollten auch viele Bilder von ihr sehen und fotografieren, um diese beim Referat zeigen zu können“, erklärt Marta Jastrzebski, warum die beiden gern nach Hochdahl kamen. Am vergangenen Freitag war es dann so weit.

Das Interview

Claudia Birkheuer war natürlich neugierig und so interviewte sie erst einmal die beiden Schülerinnen: „Wie seid Ihr auf mich als Künstlerin aufmerksam geworden? Und warum wollt Ihr gerade über mich ein Referat halten?“

Victoria: „Wir haben uns im Internet über Sie vorab informiert. Auch hat uns das große zweiteilige Bild mit den beiden Stühlen von der Einladung angesprochen. Wir haben uns bei den Kunstpunkten umgesehen. Viele haben „gebastelt“ und das hat uns nicht so interessiert. Und Sie waren bei den Besuchern so freundlich und offen. Das hat uns auch ein bisschen die Angst genommen, Sie anzusprechen.“

Birkheuer: „In welche Schule geht Ihr?“

Victoria: „Die Werner-von-Siemens-Realschule in Düsseldorf.“

Birkheuer: „Wie viel Kunstunterricht habt Ihr?“

Marta: „Wir haben montags und freitags je eine Stunde Kunstunterricht.“

Birkheuer: „Was ist Euer Thema bei dem Referat über mich?“

Ab jetzt übernehmen Victoria und Marta das Interview.

Victoria: „Sie erzählen Geschichten in Ihren Bildern und das ist sehr interessant und spannend. So erzählten Sie bei den Kunstpunkten, von einem riesigen Stoffbären, den Sie auf einem Sperrmüll gesehen haben und daraus haben Sie dann ein Bild gemalt.“

Marta: „Haben Sie ein Lieblingsbild?“

Birkheuer: „Immer das woran ich gerade arbeite. Wenn es fertig ist, dann kommt das nächste Lieblingsbild dran. Im Grunde sind alle meine Bilder Lieblingsbilder.“

Victoria: „Was ist Ihr Lieblingsmaterial? Öl oder Acryl?“

Birkheuer: „Ich arbeite mit beiden Materialien. Oft beginne ich mit Acryl und arbeite dann mit Öl weiter. Mit Acryl kann man sehr schnell malen, denn es trocknet umgehend. Da muss man als Maler*in eine große Fertigkeit haben. Bei Öl ist das anders. Öl ist geschmeidig und man kann immer wieder an dem Bild arbeiten. Das kann bei der figurativen Malerei, die ich ja bevorzuge, hilfreich sein. Malerische Veränderungen sind mit Öl leichter umzusetzen.“

Marta: „Wann und wo sind Ihre nächsten Ausstellungen?“

Birkheuer: „Wegen der Pandemie ist alles noch offen. Aber ich bin optimistisch. Eventuell 2022 in einer großen Klinik. Ich brauche wegen der Größe meiner Bilder ja ‚Wände ohne Ende‘.“ (lacht)

Victoria: „Wir haben keine Signatur auf den Bildern gesehen.“

Birkheuer: „Ich unterzeichne immer auf der Rückseite. Ich möchte nicht mit meiner Unterschrift das schöne Bild zerstören. Das Bild hat eine eigene Geschichte zu erzählen und da trete ich als Malerin zurück. Was wollt Ihr einmal werden? Will jemand von Euch Kunst studieren?“, will Claudia Birkheuer nun ihrerseits von ihren beiden Interviewerinnen wissen.

Marta und Victoria schütteln heftig mit den Köpfen.

Marta: „Ich kann recht gut reden und denke, dass ich gerne Psychologin oder Anwältin werden möchte.“

Victoria: „Ich möchte Zollbeamtin werden.“

Birkheuer: „Malt Ihr auch?“

Marta: „Ich zeichne gerne.“

Victoria: „Ich zeichne auch gerne.“

Die beiden übernehmen wieder die Rolle der Interviewerinnen.

Marta: „Haben Sie immer schon so ein Talent gehabt?“

Birkheuer: „Nein. Mein Lehrer, der bekannte Künstler Albert Fürst, bei dem ich lange Privatunterricht nahm, sagte einmal zu mir: ‚Sie haben ein bestes Gefühl für Farben. Das zeichnerische Handwerk bringe ich Ihnen bei‘. Das war vor 20 Jahren!“

Victoria: „Wollten Sie immer schon Künstlerin werden?“

Birkheuer: „Nein. Ich habe zwar immer gemalt und ab 1995 vor allem großformatig. Aber Kunst wollte ich nicht studieren. Ich wollte Journalistin werden und habe deshalb Germanistik und Sprachwissenschaften studiert.
Allerdings habe ich mich malerisch weitergebildet. Es gibt eine Menge Akademien, die solche Weiterbildungen anbieten. Die Europäische Kunstakademie in Trier z.B. oder die FreieKunstAkademie in Grevenbroich.“

Marta: „Wie wäre die Welt ohne Kunst?“

Birkheuer: „Das gibt es nicht. Die Kunst oder besser die Kreativität gehört zum Menschsein dazu.
Schon die Höhlenmenschen haben ihre Wände in den Höhlen bemalt. Was interessiert Euch an der Kunst?“, will Claudia Birkheuer von Victoria und Marta wissen.

Victoria: „Bilder drücken Gefühle aus. Beim Zeichnen ist man frei und hat keine Grenzen.“

Marta: „Das stimmt. Man kann seiner Fantasie freien Lauf lassen.“

Birkheuer: „Was sagt denn Eure Lehrerin über Euren Vorschlag, mich zum Thema für das Referat zu nehmen?“

Marta und Victoria: „Sie war total begeistert. Auch, dass wir in Ihr Atelier kommen und alle Bilder fotografieren dürfen. Das fand sie klasse.“

Birkheuer: „Wann haltet ihr das Referat?“

Victoria: „Jetzt am Montag.“

Birkheuer: „Sagt mir mal Bescheid, wie es gewesen ist.“

Marta und Victoria: „Auf jeden Fall. Und wir besuchen Sie auch gerne wieder. Das hat uns viel Spaß gemacht.“

Birkheuer: „Mir auch!“

Marta Jastrzebski (l.) Victoria Nuss (Mitte) und kamen eigens aus Düsseldorf, um Claudia Birkheuer (r.) in ihrem Atelier zu interviewen. Bei strahlendem Sonnenschein saßen sie im Garten des Ateliers. Foto: CB
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