Brauhaus: Opening und Re-Opening mit Hindernissen

Nicht etwa Sand bedeckt den Außenbereich des Brauhauses. Auch hier hat die Düssel eine Schlammspur zurückgelassen. Foto: RG

Mit einem gut durchdachten Konzept und ganz besonderem Ambiente hat Andre Segin im Herbst letztes Jahr das Brauhaus zum Goldenen Handwerk eröffnet und die Erkrather erfreut.

So viel Pech kann man doch eigentlich gar nicht haben, denkt man unwillkürlich, wenn man auf das Brauhaus zum Goldenen Handwerk schaut. Gleichzeitig sieht man aber auch Kreativität und bei allem Unglück eine Portion Gelassenheit bei Andre Segin und seinem Opening und Re-Opening mit immer neuen Hindernissen.

Als Betriebsleiter Nils Basler und Inhaber Andre Segin im Herbst 2020 vor der Eröffnung standen, ahnten sie noch nicht, was innerhalb kurzer Zeit alles auf sie zukommen wird. Foto: TB

Es ist noch kein Jahr seit der Neueröffnung vergangen. Anfang Oktober 2020 haben wir darüber berichtet. Kaum einen Monat später der Lockdown, in dem Restaurants, auch das Brauhaus, wieder schließen mussten. Andre Segin und sein Betriebsleiter Nils Basler reagieren schnell. Sie stellen Holzhütten auf, bieten Brauhausgerichte zum Mitnehmen und auch Bier und Glühwein to go. Gemeinsam mit anderen Gastronomen organisieren sie dann Ende November sogar den X-Mas Walk, der den Erkrathern einen kleinen Ersatzweihnachtsmarkt bietet.

Im Lockdown investiert Segin noch einmal. Der Außenbereich entwickelt sich mit massiven Holzmöbeln, Blumenkübeln und Sonneschirmen zur einem Biergarten der Extraklasse und mit den ersten Lockerungen für Außengastronomie zeigen sich die Gäste erfreut. Dann der nächste Rückschlag: Die Stadt erlässt ein allgemeines Verweilverbot für den Gerber- und Bernsauplatz. Andre Segin ist sauer. Er reagiert aber wieder erst mal kreativ und zieht mit seinem Angebot in die Randbereiche. Ende Mai dann endlich die Möglichkeit unter Auflagen den Gastronomiebetrieb wieder zu öffnen. Zuletzt, mit der Stufe 0 der Corona-Schutzverordnung, sogar fast ohne Einschränkungen. Nur ein gewisser Mindestabstand zwischen den Tischen sollte einbehalten werden.

Und dann kam die Flut

„Ich war bis heute Morgen um fünf Uhr hier, bis ich die Türen wieder öffnen konnte, damit das Wasser abfließt“, erzählte uns Andre Segin, als wir ihn am Donnerstagmittag im Brauhaus besucht haben. Was sich am Mittwochabend in der ‚Neuen Mitte‘ und anderen Teilen Erkraths abspielte, ist kaum zu beschreiben. Die Düssel, ein kleiner Nebenfluss des Rheins, hat sich zum reißenden Strom gemausert, Straßen und Plätze überflutet. Unzählige Keller, Garagen, aber auch Erdgeschosse in Häusern standen unter Wasser. Die einzig positive Bilanz dieser Flut: In Erkrath und im Kreis Mettmann sind es Sachschäden. Niemand ist gestorben. Aber viele haben an diesem Tag sehr viel verloren. Auch im Bauhaus zeigt sich das Ausmaß der Zerstörung am Donnerstag. Der Vorplatz für die Außengastronomie ist von Schlamm überzogen. Die massiven Möbel hat die Flut nicht wegspülen können, ob sie diese aber unbeschadet überstanden haben, ist noch unklar. „Der Schreiner sagt, dass wird sich erst mit der Trocknung zeigen“, berichtet Andre Segin. „Von den leichteren Bänken haben wir einige im Bauzaun wiedergefunden“, ergänzt er. Noch viel schlimmer war aber der Wassereinbruch im Innenbereich. Schaut man auf die Linien an Einbauten, stand das Wasser wohl 20 Zentimeter hoch. „Der komplette Estrich muss raus und erneuert werden. Genauso alle Blenden an den Einbauten“, beschreibt Segin das Ausmaß der Schäden. Ob die eisernen Tischuntergestelle schadlos bleiben, ist noch nicht ganz klar, aber auch in der Küche kommt einiges auf den Brauhausinhaber zu. Die gesamte Kühlung muss ausgeräumt und getrocknet werden und auch hier müssen alle Blenden entfernt werden, damit Trocknungsgeräte verhindern, dass Restwasser modert.

Wochenlange Schließung

In einer Zeit, in der die Inzidenz das Öffnen fast ohne Einschränkungen erlaubt, muss Andre Segin das Brauhaus erneut schließen. „Je nach Verfügbarkeit der notwendigen Handwerker gehen wir von vier bis acht Wochen aus“, schätzt er. Ein harter Schlag. Dabei hatte er vor der Wiedereröffnung noch einmal investiert und in der Küche ein neues Gerät für rund 25 Tausend Euro angeschafft. „Und wenn wir dann endlich wieder öffnen können, ereilt uns vielleicht der nächste Lockdown“, resümiert er mit ein wenig Galgenhumor.

Anmerkung: In nicht einmal einem Jahr haben wir Andre Segin als Gastronom kennengelernt, der sich nicht unterkriegen lässt. Wenn die Instandsetzung sich zu lange hinzieht, fällt ihm bestimmt wieder etwas Neues ein, um seine Gäste nicht so lange warten zu lassen.

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