Bergische Allee: Radverkehrsführung erhitzt die Gemüter

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Symbolbild Radweg, MichaelGaida, Pixabay

Die Idee, jeweils eine Kraftfahrzeugspur der Bergischen Allee für den Radverkehr umzuwidmen, ist nicht neu. Grüne und SPD sprachen sich auch im gestrigen Mobilitätsausschuss erneut für diesen Vorschlag aus.

„Der KFZ-Verkehr stagniert, der Radverkehr nimmt zu. Warum wollen wir den Planungsfehler der 60er Jahre weiterhin aufrechterhalten?“, fragte sich Uli Schimschock zu Beginn der Diskussion. Tiefbauamtsleiter Ralf Hezel präsentierte den Ausschussmitgliedern eine fertige Planung aus seinem Fachbereich, der eine Ertüchtigung des jetzigen Rad- und Gehwegs beinhaltet. „Wir hätten den Landesbetrieb gerne aufgefordert dort tätig zu werden, aber der hat keine Kapazitäten“, so Hezel, der ergänzte, dass dort schnell eine Lösung geschaffen werden muss, weshalb die Stadt die Planung übernommen hat. Die Sanierung des Weges von insgesamt 3,6 Kilometer Länge (vom Gartencenter bis zur Kreuzung Schimmelbuschstraße) sieht eine Teilasphaltierung sowie Ausbesserung des Pflasterbelages vor. 2,70 Meter sind die Wege jeweils breit. 2,50 Meter sind für die gemeinsame Nutzung von Geh- und Radverkehr zulässig. Die Gesamtkosten von 1,65 Millionen Euro werden größtenteils durch den Landesbetrieb übernommen, erste Gelder sind bereits für die Planungserstellung geflossen.

Verständnislose Gesichter gab es nach den Ausführungen Hezels bei den Grünen. „Es wäre schön gewesen, hätten wir diese Planung im Vorfeld einmal zu Gesicht bekommen“, ärgerte sich Peter Knitsch, der seinem Vorredner Uli Schimschock in allen Punkten Recht gab. „Der jetzige Radweg ist überhaupt nicht zeitgemäß. Das teils starke Gefälle stellt zudem eine Gefahr für die Fußgänger dar, die mit entgegenkommendem, schnellen Radverkehr rechnen müssen“, so Knitsch, der lieber „zwei Fliegen mit einer Klappe“ schlagen wollte, indem der Radverkehr auf die Straße verlagert wird. Auch Uli Schimschock zeigte sich vom Verwaltungsvorschlag wenig begeistert. „Der Landesbetrieb macht sich einen schlanken Fuß, wir lehnen die Planung ab.“

Auch eine Vertreterin des ADFC mahnte vor der Verwaltungsplanung. „Für gemeinsame Wege braucht man drei Meter breite Wege. Mittlerweile sind vermehrt breitere Lastenräder unterwegs, die diesen Platz benötigen. Ich sehe die Straße nicht als Außenstraße an, da zahlreiche Wohngebiete direkt an sie grenzen. Daher wird die Strecke viel genutzt“, so Sabine Habel, die auch auf die insgesamt neun Ampelanlagen hinwies, die man als Radfahrer überqueren muss. „Das ist nicht attraktiv.“ Ralf Hezel zitierte den Gesetzestext, der keine andere Bemaßung der Wege vorschreibt. „Zudem ist es schwer den Landesbetrieb von einer Maßnahme zu überzeugen, die nicht notwendig ist“, gab es zu bedenken. Auch der Technische Beigeordnete Fabian Schmitz veranschaulichte in seinem Wortbeitrag, dass die Stadt nicht in der Situation sei, über neue Straßen zu diskutieren. „Die Entscheidung trifft einzig der Landesbetrieb und der hat eine andere Brille auf als wir. Wir als Stadt sind eingesprungen, um den Prozess zu beschleunigen, das hat uns schon jetzt ein Jahr Planungszeit mit vielen Außenterminen gekostet. Zwar ist die Lösung nicht optimal, aber sie ist die einzige Lösung die auf Sicht realisierbar ist“, so Schmidt, der dafür warb lieber die Sanierung anzugehen anstatt für die nächsten Jahre keinerlei Verbesserung herbeizuführen.

Als vernünftigen Kompromiss sah Peter Knitsch diese Planung nicht an. „Das führt nicht dazu, dass Radverkehr gesteigert wird. Wir beantragen eine neue Planung, bei dem Rad- und Gehwege getrennt werden. Die Verwaltung soll diese Planung mit dem Landesbetrieb diskutieren. Zudem sollen Rat und Verwaltung eine Resolution erstellen, die dem Landesministerium und dem Landesbetrieb vorgelegt wird. Wir müssen jetzt Rückgrat zeigen.“ Dass es sich um zwei völlig unterschiedliche Punkte handelt, versuchte Fabian Schmidt im Anschluss zu verdeutlichen. „Wir planen gerade eine Sanierung, die Grünen wollen eine ganz neue Verkehrsführung.“ Zudem mahnte Ralf Hezel an, dass bereits gezahlte Mittel wieder zurückgeführt werden müssen. Uli Schimschock griff seinem politischen Vorredner sprichwörtlich unter die Arme. „Wenn wir jetzt die Sanierung machen, dann sind wir mit unserem Vorhaben raus. Das ist kein Kompromiss.“

Nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung, bei denen die Lager nicht miteinander sondern lediglich untereinander diskutierten, kam es abschließend zu keiner gütigen Lösung. Knitsch gab an, der Verwaltungsplanung nicht zu folgen. Und auch Detlef Ehlert rügte die Verwaltungsbank, mit dem Landesbetrieb gar nicht über die Neuplanung sondern lediglich über die Sanierung gesprochen zu haben. Marc Göckeritz (Bündnis 90/ Die Grünen) zeigte sich sichtlich verärgert darüber, dass bereits ein Vertrag zwischen der Stadt und dem Landesbetrieb vereinbart wurde, obwohl noch keine Lösung seitens der Politik besteht. „Ich fühle mich hintergangen, dass bereits ein Auftrag erteilt wurde“, so seine Worte. Sabine Habel (ADFC) möchte in die künftige Planung zudem den Verkehrsbeauftragten für die Region Erkrath einbeziehen. Mit knapper Mehrheit (10 zu 9 Stimmen) konnte der Grünen-Antrag, mit dem Landesbetrieb über die neue Planung in Verhandlung zu treten und eine Resolution zu verfassen, mehrheitlich gefasst werden.

1 Kommentar

  1. “Die Idee, jeweils eine Kraftfahrzeugspur der Bergischen Allee für den Radverkehr umzuwidmen, ist nicht neu.” Nein, ist nicht neu. Die Verwaltung hat seit sechs Jahren den Auftrag, dies zu prüfen und einen Vorschlag für eine solche fahrradfreundliche Lösung zu erarbeiten.

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