60 Minuten geschenkte Zeit

Die Laterne wandert von Station zu Station Foto:tb

Der ökumenische, lebendige Adventskalender hat in Erkrath Tradition. Zum mittlerweile elften Mal wurde im Advent an verschiedenen Stationen eine Stunde Zeit für Besinnlichkeit und Miteinander aufgebracht.

Ausgegangen vom Evangelischen Gemeindehaus Sandheide fand die leuchtende Laterne, die von Station zu Station weitergereicht wurde, an immer neuen Orten ein kurzweiliges Zuhause. So auch bei Familie Wedding an der Regenstraße. Dort durfte sich das Licht am vergangenen Freitag heimelig fühlen, nachdem es einen Tag bei Familie Beerbohm am Falkenberger Weg verweilte. „Wir haben Lieder gesungen und Plätzchen gegessen“, erinnert sich die Familie und findet bei Weddings eine ähnliche Situation vor. „Auch wir wollen gemeinsam singen und Zeit verbringen. Diese 60 geschenkten Minuten sind für mich jedes Jahr etwas ganz Besonderes“, ist sich die Gastgeberin, Regina Wedding, sicher. Und so erscheinen im Laufe des frühen Abends immer mehr Gäste- trotz Regen- im Vorhof der Familie Wedding. Es wird gesungen, gelacht, Glühwein und Früchtepunsch getrunken und natürlich Zeit miteinander verbracht.

Bürgermeister Christoph Schultz, der den Gästen des lebendigen Adventskalenders nur zwei Tage zuvor seine Türen öffnete, trug zur kurzweiligen Unterhaltung durch Loriots Adventsgedicht bei. (Das Gedicht finden Sie weiter unten im Text). Und während sich bei Weddings so langsam die 60minütige Auszeit gen Ende neigten, freute sich schon Familie Wissel auf ihre „geschenkte“ Zeit am Folgetag.

Wissenswertes: Die letzten Tage des lebendigen Adventskalenders finden am 22. Dezember um 11 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus Sandheide, am 23. Dezember um 18 Uhr bei Familie Görsch (Ginsterweg 34) und am 24. Dezember um 15.30 Uhr in der Heilig-Geist Kirche an der Brechtstraße statt.  

Organisiert wird der Lebendige Adventskalender von der Evangelischen Kirchengemeinde Hochdahl und der Katholischen Kirchengemeinde St. Franziskus Hochdahl.

Der Lebendige Adventskalender ist beliebte Tradition bei zahlreichen Erkrathern
Foto:tb

Loriots Adventsgedicht:

Es blaut die Nacht
Die Sternlein blinken.
Schneeflöcklein leise niedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
häuft sich ein kleiner weißer Zipfel.

Und dort, vom Fenster her durchbricht
den dunklen Tann’ ein warmes Licht.
Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer
die Försterin im Herrenzimmer.

In dieser wunderschönen Nacht
hat sie den Förster umgebracht.
Er war ihr bei der Heimespflege
seit langer Zeit schon sehr im Wege.

So kam sie mit sich überein:
Am Nicklausabend muß es sein.
Und als das Rehlein ging zur Ruh’,
das Häslein tat die Augen zu,

Erlegte sie – direkt von vor’n
– den Gatten über Kimm’ und Korn.
Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase
zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase.

Und ruhet weiter süß im Dunkeln,
Derweil die Sternlein traulich funkeln.
Und in der guten Stube drinnen,
da läuft des Försters Blut von hinnen.

Nun muß die Försterin sich eilen,
den Gatten sauber zu zerteilen.
Schnell hat sie bis auf die Knochen
nach Waidmanns Sitte aufgebrochen.

Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied
– was der Gemahl bisher vermied –
Behält ein Teil Filet zurück,
als festtägliches Bratenstück.

Und packt zum Schluß – es geht auf vier –
die Reste in Geschenkpapier.
Da dröhnt’s von fern wie Silberschellen.
Im Dorfe hört man Hunde bellen.

Wer ist’s, der in so tiefer Nacht
im Schnee noch seine Runde macht?
Knecht Ruprecht kommt mit goldenem Schlitten
auf einem Hirsch herangeritten!

»Heh, gute Frau, habt ihr noch Sachen,
die armen Menschen Freude machen?«
Des Försters Haus ist tief verschneit,
doch seine Frau steht schon bereit:

»Die sechs Pakete, heil’ger Mann,
‘s ist alles, was ich geben kann!«
Die Silberschellen klingen leise.
Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.

Im Försterhaus die Kerze brennt.
Ein Sternlein blinkt: Es ist Advent. (Loriot)


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